Die Corona-Krise betraf viele Bereiche des öffentlichen Lebens, darunter auch den Drogenhandel. Die Hauptgewinner waren dort die Verkäufer im Darknet.

Bars und Clubs sind geschlossen und das öffentliche Leben kommt zum Erliegen, weil die Menschen ihre Häuser nur noch für das Nötigste verlassen. Im Frühjahr befanden wir uns in einer solchen Situation. Die soziale Isolation und Unsicherheit verunsicherte viele. Ein guter Nährboden für süchtiges Verhalten, könnte man meinen. Während sich auf dem Cannabismarkt bestimmte Trends abzeichneten, ging der Verkauf von Ecstasy zurück, da die Clubs und Bars geschlossen blieben.

Anstieg der Cannabisverkäufe im Darknet

Während der ersten Welle im Frühjahr wurde ein Anstieg der aus der Schweiz gelieferten Cannabisbestellungen festgestellt, insbesondere im Darknet. Bei anderen illegalen Drogen wie Ecstasy oder Kokain waren kaum Veränderungen oder sogar Rückgänge zu verzeichnen. Anfang Februar gab es noch 50 Bestellungen pro Woche auf einer auf Cannabis spezialisierten Seite im Darknet, wo auch Schweizer Cannabis verkauft wird. Ende Mai waren es bereits mehr als 400. Frank Zobel, Vizedirektor und stellvertretender Forschungsleiter von Sucht Schweiz, relativiert: “Das ist nur ein kleiner Teil des Schweizer Marktes”, so dass das Gesamtangebot an Cannabis tatsächlich zurückgegangen ist.

Den Anstieg der Verkäufe im Darknet erklärt Frank Zobel mit einem Trend: “Länder wie Spanien oder Frankreich, über die ein großer Teil des Cannabis in die Schweiz gelangt, waren im Frühjahr abgeriegelt, und unsere Grenzen waren geschlossen.” Dies führte wahrscheinlich dazu, dass Kunden und Lieferanten das Darknet als Alternative nutzten. Nach der Aufhebung der Abriegelung im Frühjahr seien die Verkaufszahlen wieder gesunken, sagte er. Über das Suchtverhalten bei der zweiten Welle gibt es noch keine Zahlen, aber Zobel stellt fest: “Die Bedingungen sind jetzt anders. Die Leute verlassen immer noch ihre Häuser und die Grenzen sind offen.”

“Suchtverhalten ist oft eine Bewältigungsstrategie”, sagt Jacqueline Mennel, Leiterin der Prävention bei Akzent Prävention und Suchttherapie in Luzern. Besonders in Krisensituationen wie sozialer Isolation oder großer Unsicherheit neigten Menschen zu riskantem Verhalten, sagt sie. Diese Reaktion sei zwar verständlich, so Mennel, aber alles andere als hilfreich. “Man kann schnell in einen Teufelskreis geraten”, weil das Suchtverhalten zugrundeliegende Probleme verschärfen kann.

Beschlagnahmte Beweise
Illegaler Drogenhandel im Darknet – vier Männer aus Bad Arolsen in U-Haft

Vier Männer wurden in Bad Arolsen wegen Drogenhandels im Darknet festgenommen. Die Verdächtigen waren vermutlich schon länger in den Handel verwickelt.

Vier Männer aus dem nordhessischen Bad Arolsen sollen nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) im Darknet illegal mit Drogen sowie verschreibungspflichtigen Medikamenten gehandelt haben. Das Darknet ist ein für Nutzer von Standard-Internetbrowsern wie Google Chrome oder Mozilla Firefox verborgener Teil des Internets. Um auf Seiten im Darknet zugreifen zu können, wird eine spezielle Software benötigt.

Die Verdächtigen waren bereits am Donnerstag (04.02.2021) in der Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg festgenommen worden und saßen nun in Untersuchungshaft.

Allerdings waren die verdächtigen Männer aus Bad Arolsen wohl schon länger im Drogenhandel aktiv: Seit Ende 2018 sollen die 27- bis 29-Jährigen aktiv gewesen sein und seither einen Umsatz von mindestens einer halben Million Euro erzielt haben. Bei einer polizeilichen Durchsuchung seien Beweismittel sichergestellt worden, die nun ausgewertet würden. “Ich bitte um Verständnis, dass zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der noch laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben gemacht werden können.”

In den letzten Jahren hat der Drogenhandel über das Internet zugenommen. Der Endverbraucher muss seinen Dealer nicht mehr persönlich treffen, sondern bestellt die Drogen per Mausklick über einen Webshop. Die Verkaufskanäle reichen von Social-Media-Plattformen über einschlägige Foren bis hin zu Marktplätzen im sogenannten Darknet.

Wie funktioniert der illegale Drogenhandel über das Internet?

Sogenannte Hidden Marketplaces, also versteckte Verkaufsplattformen, werden über das Internet, im sogenannten Darknet, gehostet. Auf Darknet-Marktplätzen wie AlphaBay, Andromeda, Hydra, Pandora oder SilkRoad2.0 werden neben Waffen, Falschgeld und gefälschten Dokumenten auch Betäubungsmittel angeboten. Diese Verkaufsplattformen sind nicht über normale Internetadressen erreichbar. Um Zugang zum Darknet zu erhalten, ist es notwendig, einen sogenannten “Tor-Browser” zu verwenden. Dieser Webbrowser implementiert einen Anonymisierungsdienst, das Tor-Netzwerk. Ein direkter Kontakt mit den Verkäufern findet in der Regel nicht statt.

Die Kommunikation erfolgt über eine gefälschte E-Mail-Adresse (mit PGP-Schlüssel verschlüsselt) und unter Verwendung eines Benutzernamens. Die Bezahlung erfolgt in der digitalen Währung Bitcoin oder Monero. Dies ist eine Peer-to-Peer-Kryptowährung, d. h. eine anonyme Währung ohne Scheine und Münzen. Sie existiert nur virtuell. Sie benötigen ein sogenanntes Bitcoin Wallet (Bitcoin-Konto), um mit Bitcoins bezahlen und handeln zu können. Die Drogen werden oft an eine Packstation oder einen gekaperten Briefkasten geliefert.

Drogen, die im Darknet im Internet gekauft werden

In den letzten drei Jahren gab es mehrere hochkarätige nationale und internationale Ermittlungsaktionen, die einige sehr große und vermeintlich sichere Marktplätze auffliegen ließen. In diesem Zusammenhang sollte die OP Onymus aus dem Jahr 2014 nicht unerwähnt bleiben. Im Zuge der OP Onymus gingen unter anderem die Darknet-Marktplätze Hydra, Cloud9, Pandora, Andromeda und Silkroad2.0 zu Grunde. Diese internationale Operation von FBI, Europol und anderen internationalen Ermittlungsbehörden beschäftigt die deutschen Ermittlungsbehörden bis heute. Allein in Deutschland sind mehrere tausend Ermittlungsverfahren gegen Käufer aus Deutschland eingeleitet worden. Der internetbasierte Drogenhandel boomt und macht es im Grunde jedem möglich, an Drogen zu kommen.

Im Zusammenhang mit der Bestellung von Drogen im Internet kann ein solcher Verdacht entstehen, weil z.B. Ihr Vor- und Nachname, Ihre Adressdaten oder eine Ihnen zuordenbare E-Mail-Adresse in den ausgewerteten Bestelllisten eines Darknet-Marktplatzverkäufers auftauchen. Liegen den Ermittlern mehrere Bestellungen von Ihnen vor, d.h. besteht der Verdacht, dass Sie unerlaubt mit Betäubungsmitteln gehandelt oder sogenannte nicht geringe Mengen an Betäubungsmitteln erworben haben, müssen Sie ggf. mit einer Hausdurchsuchung rechnen. Das Gleiche gilt im Zusammenhang mit der Bestellung von Anbauzubehör in Growshops.

Eine weitere Möglichkeit, wie Sie ins Fadenkreuz der Ermittlungsbehörden geraten können, ist die Möglichkeit, dass Ihre Post vom Zoll angehalten und beschlagnahmt wurde. In den Verteilzentren der Deutschen Post wird regelmäßig stichprobenartig Post angehalten und beschlagnahmt. Werden in einem angehaltenen Brief Drogen gefunden, wird gegen den Adressaten der Sendung ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

Haben Sie eine Vorladung zur Polizei wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz erhalten?

Wie soeben näher beschrieben, ermitteln die Behörden gegen Sie. Es besteht der Verdacht, dass Sie Betäubungsmittel über das Internet erworben oder auch erhalten haben. Nun haben Sie eine Vorladung erhalten, um als Beschuldigter zur Vernehmung bei der Polizei zu erscheinen oder eine schriftliche Aussage als Beschuldigter zu machen.

Im Internet gekaufte Drogen Darknet.

Freispruch für im Darknet gekaufte Drogen

Die Veränderungen machen auch vor dem traditionellen Drogenhandel nicht halt. In den letzten fünf Jahren hat die Zahl der sogenannten Darknet-Verfahren stetig zugenommen. Das bedeutet, dass der Verkauf nicht mehr von Angesicht zu Angesicht stattfindet, sondern online in einem virtuellen Geschäft. Das Geld wird nicht direkt in bar übergeben, sondern es werden Bitcoins transferiert. Die im Darknet bestellten Drogen werden dann per Post zugestellt.

Die Bestellung von Betäubungsmitteln im Darknet kann gut gehen, muss aber nicht. Viele Käufer denken, dass wenn der Tor-Browser eingeschaltet ist, ihnen nichts passieren kann.

Wir hatten schon alles von Käufern bis hin zu Kurieren, die z.B. Briefe aus den Niederlanden nach Deutschland bringen, um sie dort in Briefkästen zu stecken.

Wenn der Fall auffliegt, erhält der Beschuldigte in der Regel eine Vorladung zur Vernehmung wegen des Verdachts einer Straftat gegen das BtMG. Dies ist die Schnittstelle, an der sich Mandanten an uns wenden. In einigen Fällen wird auch eine Hausdurchsuchung durchgeführt, weil der Verdacht besteht, dass der Mandant noch Marihuana, XTC, Amphetamin oder Kokain in seinem Besitz haben könnte. In der Regel handelt es sich um Fälle, in denen die Ermittler aufgrund der bestellten Mengen davon ausgehen, dass der Kunde mit Betäubungsmitteln handelt. Schon früh zeigten Gericht und Staatsanwaltschaft, dass sie keine Ahnung von Internet” und Computern hatten. Bitcoin, Tor-Browser und Shopsysteme waren ihnen ein Fremdwort. Zudem gestand der Vertreter der Staatsanwaltschaft, dass auch er mit BtM-Verfahren nicht viel zu tun habe und daher nicht viel dazu beitragen könne.

Immerhin hatte es das Gericht nicht versäumt, den Darknet-Händler selbst, der an meinen Mandanten verkauft haben soll, aus Berlin vorzuladen, sowie einen sehr motivierten LKA-Beamten aus Niedersachsen.

Irritiert zeigte sich das Gericht über den Antrag der Verteidigung, einen Zeugenbeistand für den Darknet-Händler zu bestellen. Der Dealer war bereits zu einer langjährigen Jugendstrafe verurteilt worden und wurde in seiner Haftzeit von Gefängnis zu Gefängnis geschoben, um in unzähligen Gerichtsverfahren gegen seine angeblichen Kunden aussagen zu müssen. Die Hälfte des Vormittags wurde damit verbracht, zu diskutieren, ob er das Recht habe, die Aussage zu verweigern.

Man hatte mehrere Computer des Darknet-Händlers analysiert und dabei die Postanschrift und die E-Mail-Adresse meines Mandanten gefunden, sowie Bestelllisten. Diese hatte der Händler aufbewahrt, um den Überblick nicht zu verlieren. Finanzielle Ermittlungen führten ins Leere, was nicht verwunderlich ist, da im Darknet üblicherweise mit Bitcoins gezahlt wird.

Die Strategie in diesem Verfahren war, den Kunden zum Schweigen zu bringen und auf Konfrontation zu setzen, was natürlich BtM- und Computerkenntnisse voraussetzt. Diese Kombination ist für die Verteidigung unabdingbar und nur so können solche Verfahren “geknackt” werden.

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