Drogen, Waffen, Bitcoins Wie die Polizei Online-Gangster aufspürt

Woche für Woche werden in Deutschland große Mengen von Drogen beschlagnahmt, sei es in Häfen, im Stadtzentrum, in der Peripherie oder als Beifang bei Durchsuchungen. Ein riesiges Geschäft mit Margen in Milliardenhöhe. Zunehmend stehen sie im Zusammenhang mit Aktivitäten im Darknet: Das verschlüsselte Netzwerk bietet Kriminellen völlig neue Vertriebs- und Handelswege – oft ohne dass sie überhaupt strafrechtlich verfolgt werden (können).

“Hart im Eingang, weich im Ausgang. Effekt so lala”, schreibt BMWAddict54 und zieht Bilanz über seinen jüngsten Kokskauf. “Überhaupt nicht zu empfehlen. Die Pistole ist nicht echt, und wenn sie es ist, dann ist sie billig”, findet Bitcoin-Lover1989 – und meint damit eine gekaufte Neun-Millimeter-Beretta-Pistole.

Es gibt Bereiche im Dunkeln, die, einfach ausgedrückt, eine Handelsplattform wie Amazon sind; unterschiedliche Waren, variable Preise, glückliche und unzufriedene Kunden. Hier gibt es keine Grenzen, weder in Bezug auf das Angebot noch in Bezug auf den Versand: der Versand erfolgt von und nach Orten in der ganzen Welt.

Das Surfen in Darknet ist nicht verboten. Nur diejenigen, die verbotene Waren bestellen – oder kinderpornographische Dateien ansehen – handeln illegal. “Es gibt keine Grauzone”, sagte ein Hamburger Staatsanwalt gegenüber dem MOPO.

Nicht nur Kriminelle erliegen der Faszination der völlig anonymen Internet-Community. Auch “normale” Menschen sind Teil des “Deepweb”, des Teils des Internets, der von allgemein bekannten Suchmaschinen nicht gefunden wird.

Auch Lars K. (35) ist dem Charme der Dunkelheit erlegen. Der ehemalige Mitarbeiter eines Jugendzentrums erschien erst am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hamburg-Blankenese. Sein Darknet-Pseudonym: “Sky Bundesliga”. Die Anklagepunkte: Drogenhandel und Verstoss gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz.

Hamburger vor Gericht: Er verkaufte Ecstasy in Darknet

Er gestand, Ecstasy verkauft und über zwei Jahre lang Feuerwerkskörper und andere Sprengkörper im Darknet verboten zu haben. “Mein Mandant entwickelte eine gewisse Faszination für Darknet und Bitcoins, mit der er spekulieren wollte”, ließ sein Anwalt wissen. Darüber hinaus hatte er “seine jugendliche Faszination für Knallkörper” behalten.

Die Polizei hat sich deutschlandweit der Bekämpfung der Internet-Kriminalität verschrieben, in fast jedem Landeskriminalamt gibt es inzwischen eine Spezialabteilung, die sich ausschließlich mit Cyberkriminalität befasst und gegen Online-Gangster ermittelt. In Hamburg haben die Spezialisten des LKA 54.
BKA: Kriminalität im Dunkeln nimmt weiter zu

Nach den Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) nimmt die Kriminalität im Internet seit Jahren zu. Vor allem Drogen werden zunehmend über das Internet verkauft, darunter Marihuana, Kokain, Ecstasy und Amphetamine. Die Drogen werden in der Regel per Post – in Briefen und Päckchen – verschickt. Genau wie in der Netflix-Erfolgsserie “How To Sell Drugs Online (Fast)”. Nach Angaben des BKA hat sich der Online-Drogenhandel einschließlich des Versandhandels “auf hohem Niveau eingependelt”. Der Anbieter – in der Regel eine “junge, männliche, computererfahrene Person” – wird mit Bitcoins, einer digitalen Währung, bezahlt; anonym, einfach und sehr schwer zurückzuverfolgen.

“Herkömmliche Ermittlungsansätze wie IP-Adressen, Domain-Namen oder verifizierte Nutzerdaten sind in Darknet regelmäßig nicht verfügbar”, erklärt Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität im BKA. Die Entwickler der Darknet-Geschäfte sind bestrebt, die Identifizierung ihrer Kunden unmöglich zu machen. “Die Verwendung von Krypto-Währungen macht es noch schwieriger, Geldströme zurückzuverfolgen. Zudem gibt es ein hohes Maß an Verschwörungen innerhalb der Szene.

Hamburger IT-Spezialist: Darknet baut auf Anonymität

Ein IT-Spezialist aus Hamburg, der unbekannt bleiben will, sagt dem MOPO: “Darknet ist auf Anonymität gebaut. Wenn man es auf die richtige Art und Weise angeht, kann man nicht aufgespürt werden”.

Dennoch gelingt es den Ermittlungsbehörden immer häufiger, Verfahren gegen Internet-Täter einzuleiten. Im Juni dieses Jahres verhaftete das Hamburger Zollfahndungsamt einen 42-jährigen Mann, der zu den Top 20 Drogenverkäufern in Darknet gehört. Er soll woechentlich bis zu 400 Briefe mit Rauschmitteln ueber verschiedene norddeutsche Postfilialen verschickt haben.


Ermittler spüren Darknet-Gauner eher zufaellig auf

Zur Wahrheit gehört aber auch: Oftmals kommen die Ermittler eher zufällig auf die meist gut verwischten Darknet-Ganove-Spuren, zum Beispiel bei Routinekontrollen des Zolls. Oder aber bei Wohnungsabfertigungen.

Wie letzte Woche, als Gerichtsvollzieher eine Wohnung in Hoheluft-Ost räumen lassen wollten und dabei auf riesige Mengen von Drogen stießen: elf Kilo Amphetamine, je zwei Kilo Gras und Haschisch, 378 LSD- und 8740 Ecstasy-Tabletten.

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