Bericht: Drogenhändler im Netz oft gebildet und IT-stark

Düsseldorf Laut einem Bericht entsprechen die Täter des Online-Drogenhandels oft nicht mehr dem Bild des klassischen Dealers, sondern sind gebildet und verfügen über gute IT-Kenntnisse. Drogen werden auf vielen Marktplätzen im Dunkeln angeboten, berichtete die “Rheinische Post” (Mittwoch) unter Berufung auf das NRW-Innenministerium.

Dem Bericht zufolge sind niederländische Anbieter die dominierenden Akteure im illegalen Online-Handel.

Die Informationen würden per Post verschickt, die Kommunikation sei verschlüsselt und beide Seiten könnten anonym bleiben. Im Jahr 2019 sei die Zahl der registrierten Fälle von illegalem Drogenhandel im Netz in NRW um 7,6 Prozent auf 5681 gesunken. Dies ist auch auf eine verstärkte Vorsichtsmaßnahme der Täter und eine hohe Dunkelziffer zurückzuführen. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte am Dienstag in Berlin gemeldet, dass auch bei der Corona-Pandemie “kein Mangel auf dem Markt festgestellt wurde”. Drogenhändler hätten schnell umgestellt, Bestellungen über Internetplattformen und der Versand von Kleinmengen per Post – vorzugsweise an Packstationen – hätten zugenommen.

Die Niederlande sind nach wie vor eine Drehscheibe des Drogenhandels. Hier eine Kokainwäscherei, die in einer umgebauten Reithalle untergebracht war.

Die Vertriebskanäle für illegale Betäubungsmittel sind vielfältig: von der Bestellung eines “Kokain-Taxis” über den Handel mit Dunkelheit bis hin zur Lieferung per Post. Selbst die Corona-Pandemie stört die Geschäfte nicht.

Während normale Industrien Probleme haben, ist der Handel mit illegalen Drogen in Deutschland während der Corona-Pandemie keineswegs rückläufig. Mehr denn je werden Betäubungsmittel auf Social-Media-Plattformen, aber auch im Darknet angeboten. Pillen, Pulver oder Gras werden dann oft per Post verschickt.

Lagebericht des Bundeskriminalamtes Der Online-Drogenhandel boomt in Deutschland

Dies geht aus dem Lagebericht zur Drogenkriminalität hervor, den der Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, vorgelegt haben. Münch sagte, die Zahl der Drogendelikte in Deutschland nehme seit neun Jahren zu. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass mehr Drogen konsumiert würden.

Den mit Abstand größten Anstieg – plus 12,2 Prozent – verzeichneten 2019 die Straftaten im Zusammenhang mit Kokain. “Wir stellen fest, dass es sich nicht mehr um eine Elitedroge handelt”, sagte Münch. Die Ermittler beschlagnahmten insgesamt zehn Tonnen Koks, 2017 waren es acht Tonnen. Die größte jemals in Deutschland beschlagnahmte Kokainmenge wurde vom Zoll im Juli 2019 bei einer Routinekontrolle im Hamburger Hafen entdeckt. In einem Container mit Sojabohnen, der von Uruguay über Hamburg nach Belgien transportiert werden sollte, waren 4,5 Tonnen Kokain versteckt. Geschätzter Straßenwert: fast eine Milliarde Euro.

Obwohl der Drogenschmuggel durch Kuriere und der Straßenverkauf von Betäubungsmitteln in diesem Jahr aufgrund der Restriktionen durch die Corona-Pandemie erschwert wurde, habe das BKA “in den letzten Monaten keine Knappheit auf dem Markt festgestellt”, so Münch. Die Drogen seien weiterhin auf dem Luft- und Seeweg hergestellt und transportiert worden. Auch der Konsum sei vermutlich konstant geblieben. Die Drogenhändler hätten sich sehr schnell umgestellt: Die Bestellungen über Internetplattformen und der Versand kleiner Mengen per Post – vorzugsweise an Packstationen – hätten weiter zugenommen.

Auch die Zahl der Drogenlabors nimmt zu

In Deutschland sind Social-Media-Plattformen wie Instagram und Telegramm seit etwa zwei Jahren beliebte Handelsplattformen. Auch “Kokaintaxis” in Berlin sind seit Jahren in Betrieb und bringen illegale Drogen notfalls gegen Bargeld an die Haustür. Solche Geschäfte werden auch über Botendienste angebahnt.

Drogen in Jeans und Flanells Kokainschmuggel trotzt der Corona-Krise

Münch betonte, dass das Internet es den Strafverfolgungsbehörden auch ermögliche, “Verdächtige zu identifizieren und illegale Handelswege und Verbrechen aufzuklären”. Er verwies auf die deutsche Online-Drogenplattform “Chemische Revolution”, die vor rund einem Jahr von den Sicherheitsbehörden abgeschaltet wurde. Mehrere mutmassliche Betreiber des im Darknet betriebenen Online-Handels sehen sich derzeit mit rechtlichen Schritten konfrontiert. Die Drogendealer wurden mit Bitcoins bezahlt und die Ware per Post – vorzugsweise an Packstationen – verschickt.

Auch die Zahl der Drogenlabors in Deutschland ist gestiegen: 31 von ihnen haben die Ermittler im vergangenen Jahr an die Spitze gebracht. Das sind 63 Prozent mehr als 2018, sagt er, und sie waren vor allem in Nordrhein-Westfalen angesiedelt, wo immer mehr Chemikalien, die bei der Herstellung synthetischer Drogen verwendet werden, in den Niederlanden gelagert werden. Auch der Heroinhandel hat leicht zugenommen. Das schwanke aber von Jahr zu Jahr, sagte Münch. Dem Bericht zufolge ist Marihuana nach wie vor die beliebteste Droge der Deutschen.

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