Wall Street Market beschlagnahmt – Alternative

Aus der deutschen Provinz ins Darknet

Ermittler in Deutschland haben die weltweit zweitgrößte Handelsplattform im sogenannten Darknet lahmgelegt. Drei mutmaßliche Betreiber von „Wall Street Market“ wurden festgenommen.

Rauschgifte wie Kokain und Cannabis. Gestohlenen Daten oder auch gefälschte Dokumente. All das wurde auf dem „Wall Street Market“ gehandelt, der weltweit zweitgrößten illegalen Handelsplattform im Darknet.

Die drei mutmaßlichen Betreiber wollten offenbar untertauchen. Ende April schalteten sie ihre Plattform für angebliche Wartungsarbeiten ab und begannen, Kundengelder in Kryptowährungen auf sich selbst zu übertragen. Doch dann griffen die Ermittler zu. Nicht virtuell, sondern ganz konkret, in Deutschland, in der Provinz.

Am 23. und 24. April erfolgten Festnahmen und Durchsuchungen bei drei Beschuldigten in Bad Vilbel in Hessen, im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg und in Kleve in Nordrhein-Westfalen.

Der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft zufolge waren aufwendige Ermittlungen unter großer Geheimhaltung vorausgegangen. Geführt wurden sie von auf Cyberkriminalität spezialisierten Experten des Bundeskriminalamts (BKA).

Dass das Darknet durch solche erschreckenden Schlagzeilen auffällt, hat mit seinem Charakter zu tun: Es ist auf höchste Anonymität ausgelegt, mit allen Vor- und Nachteilen.

Weit verbreitet ist Tor, eine Abkürzung für „The Onion Router“. Das Bild der Zwiebel („Onion“) erklärt auch, wie im Darknet Spuren verwischt werden. Wer über einen gängigen Browser eine Internetseite ansurft, übermittelt dabei auch die eigene IP-Adresse und andere Metadaten, die Rückschluss über den Nutzer erlauben.

Der Tor-Browser hingegen verschleiert solche Informationen, indem die Anfrage auf seinem Weg über mehrere Server auf der ganzen Welt wie eine Zwiebel umhüllt, also verschlüsselt wird. Die Route wechselt ständig.

Über den Tor-Browser lässt sich somit – solange man sich nirgends mit persönlichem Account anmeldet – anonym im offenen Internet surfen. In diesem Fall wird die anonymisierte Anfrage wieder aus dem Tor-Netzwerk geleitet.
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Es gibt allerdings auch Seiten innerhalb des Netzwerks, die ausschließlich über den entsprechenden Browser zu erreichen sind. Sie sind auch nicht über Suchmaschinen wie Google oder Yahoo zu finden.
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Lange Zeit hatten deutsche Ermittler Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Darknet-Kriminalität. Dass den deutschen Ermittlern nun der Erfolg gelang, hat zum einen damit zu tun, dass in den vergangenen Jahren die Kapazitäten beim BKA ausgeweitet wurden. Zum anderen ist die internationale Zusammenarbeit immer besser geworden.

Das zeigt sich auch daran, dass bei den Ermittlungen gegen die Betreiber des „Wall Street Market“ auch Sicherheitsbehörden in den USA und den Niederlanden sowie die europäische Polizeibehörde Europol beteiligt waren. Eine internationale Allianz gegen die Gefahr, die dieses Mal aus der Provinz kam.

Auf Darknet-Kriminelle warten milde Strafen

Polizei und Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen den weltweit zweitgrößten Darknet-Marktplatz gelungen: Die Ermittler nahmen in der vergangenen Woche drei mutmaßliche Verantwortliche fest, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Freitag mitteilten. Der Server des Marktplatzes „Wall Street Market“ wurde beschlagnahmt. Zuvor hatte der SWR über den Fall berichtet.

Auf dem Marktplatz wurden unter anderem Drogen, falsche Ausweise, gehackte Kreditkarten und gestohlene elektronische Identitäten gehandelt. Mehr als 1,1 Millionen Nutzer waren auf der Plattform aktiv, 5400 „Vendors“, also Verkäufer, registriert. Besonders Kunden aus den USA sollen dort bedient worden sein. Zuletzt waren 63.000 Verkaufsangebote eingestellt.
Ermittler legen weltweit zweitgrößte Handelsplattform im Darknet lahm

Ermittler in Deutschland haben die weltweit zweitgrößte Handelsplattform im sogenannten Darknet lahmgelegt. Drei mutmaßliche Betreiber von „Wall Street Market“ wurden festgenommen.

Bei den Festgenommen handelt es sich nach BKA-Angaben um drei Deutsche: einen 22-Jährigen aus Kleve, einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel bei Frankfurt am Main und einen 29-Jährigen aus Esslingen am Neckar. Sie sitzen wegen „gewerbsmäßiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln“ in Untersuchungshaft.

Nach Angaben des BKA sollen die Männer Provisionen von zwei bis sechs Prozent für die Verkäufe auf der Plattform erhalten haben. Bei Durchsuchungen ihrer Wohnungen wurden 550.000 Euro in bar, hochwertige Fahrzeuge und Kryptowährungen in sechsstelliger Höhe sichergestellt. Bei dem 22-Jährigen wurde auch eine Schusswaffe gefunden.
Drogen, Waffen und Bargeld

Bei den Ermittlungen waren auch amerikanische und niederländische Behörden sowie Europol beteiligt. In Los Angeles wurden bereits zwei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, zwei der umsatzstärksten Anbieter auf der Plattform gewesen zu sein. Auch in ihren Wohnungen wurden Drogen, illegale Waffen und Bargeld in Millionenhöhe gefunden.

Wie hoch der Gewinn der Kriminellen war, das werde derzeit ermittelt, erklärte das Bundeskriminalamt am Freitag. Dazu müssten noch Datenträger untersucht werden. Die Server hätten sich in den Niederlanden, Deutschland und Rumänien befunden. In 60 bis 70 Prozent der Fälle sei mit Rauschgift gehandelt worden.

Auf die Beschuldigten warten vergleichsweise milde Strafen. Da es keinen Straftatbestand für diese Form der Kriminalität gibt, müsse man sich mit einem Sonderstraftatbestand behelfen, erklärte das Bundeskriminalamt am Freitag bei einer Pressekonferenz. Es handle sich „um eine Form der Beihilfe zum BTM-Gesetz“, sagte Sprecher Georg Ungefug. Dafür drohen ein bis 15 Jahre Haft.

Ermittler in den USA und Europa haben einen der größten kriminellen Online-Marktplätze für Drogen und andere illegale Waren ausgehoben. Die drei mutmaßlichen Betreiber des sogenannten „Wall Street Market“ wurden in Deutschland gefasst, sie sitzen in Untersuchungshaft.
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Über die Online-Plattform wurden neben Rauschgift unter anderem auch ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware gehandelt, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt sagten. Es sei der weltweit zweitgrößte illegale Online-Marktplatz im Darknet gewesen, einem abgeschirmten Teil des Internets.

Die Männer sollen als Betreiber der Plattform an den Verkäufen illegaler Artikel Provisionen verdient haben. Bei den Verdächtigen handelt es sich um einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel (Hessen), einen 22-Jährigen aus Kleve (Nordrhein-Westfalen) und einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg).

Seit März hatten Ermittler die drei Deutschen im Visier, wie sie am Freitag berichteten: Nachdem die Verdächtigen den Online-Marktplatz in den Wartungsmodus geschaltet und die hinterlegten Geldbeträge an sich selbst transferiert hatten, schlugen die Behörden zu. In Den USA identifizierte die Staatsanwaltschaft Los Angeles nach eigenen Angaben zwei der umsatzstärksten Anbieter von Drogen auf dem „Wall Street Market“ und nahm diese fest. Sie sollen mit extrem gefährlichen Drogen gehandelt haben, wie ein US-Vertreter sagte. Bei Durchsuchungen der Tatverdächtigen in den USA wurden illegale Waffen und Bargeld in Millionenhöhe gefunden.
„Wall Street Market“ nicht mehr erreichbar

Deutsche Ermittler nahmen die drei Verdächtigen Ende April fest und durchsuchten deren Wohnungen. Dabei seien die Rechner sichergestellt worden, über die die Plattform betrieben worden sei. Außerdem fanden die Ermittler mehr als 550 000 Euro in bar, digitale Zahlungsmittel wie Bitcoins mit einem Wert in sechsstelliger Höhe sowie teure Fahrzeuge. Bei dem Tatverdächtigen aus Kleve entdeckten die Beamten zudem eine Schusswaffe.

Der Bitcoin ist eine im Internet entstandene digitale Währung. Bitcoins werden in einem aufwendigen Verfahren auf Computern erzeugt und können dann im Netz auch für Dollar oder Euro gekauft werden. Die Währung lässt weitgehend anonyme Zahlungen zu.

Der „Wall Street Market“ ist den Ermittlern zufolge jetzt nicht mehr erreichbar. Auf der Webseite sei stattdessen ein Sicherstellungsbanner hochgeladen geworden.

„Zuletzt waren auf dem Online-Marktplatz über 63 000 Verkaufsangebote eingestellt sowie über 1 150 000 Kundenkonten und über 5400 Verkäufer angemeldet“, erklärte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Georg Ungefuk. Den Festnahmen seien aufwendige verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. US-amerikanische und niederländische Behörden seien beteiligt gewesen, ebenso die europäische Polizeibehörde Europol.

BKA-Präsident Holger Münch sprach von technisch sehr anspruchsvollen und personalintensiven Ermittlungen. Er hob die internationale Zusammenarbeit mit Behörden in den USA, den Niederlanden und der europäischen Polizeiorganisation Europol hervor. „Das war beispielgebend für die Verbrechensbekämpfung im digitalen Raum.“

Münch forderte zugleich einen eigenen Straftatbestand und damit eine klare gesetzliche Regelung gegen das Betreiben von kriminellen Online-Handelsplattformen. Es gebe schon einen Vorschlag dazu, der aber noch nicht umgesetzt sei. „Wir müssen Schritt halten mit der gesellschaftlichen Entwicklung.“

Im Kampf gegen Kriminalität im Internet haben Ermittler der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts drei Männer festgenommen. Sie sollen die Internetplattform „Wall Street Market“ im Darknet betrieben haben – einen der populärsten Drogenumschlagplätze im Netz. Es handelt sich laut Staatsanwaltschaft um drei Deutsche: einen 22-Jährigen aus Kleve (Nordrhein-Westfalen), einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg) und einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel (Hessen). Sie sitzen seit dem 23. und 24. April in Untersuchungshaft.
Was ist der „Wall Street Market“?

Das seit wenigen Tagen geschlossene Portal, das im Kern wie ein digitaler Schwarzmarkt funktioniert, war die weltweit zweitgrößte kriminelle Handelsplattform für Drogen wie Heroin, Kokain und Cannabis, aber auch gestohlene Daten, gefälschte Dokumente wie Personalausweise sowie Schadsoftware. Zuletzt fanden sich dort laut Staatsanwaltschaft mehr als 63.000 Verkaufsangebote und mehr als 1,1 Millionen Kundenkonten. Die Zahl der angemeldeten Verkäufer lag bei rund 5400. Bezahlt wurde in den Kryptowährungen Bitcoin und Monero. Die drei festgenommenen Administrationen sollen an den Verkäufen illegaler Güter auf ihrer Plattform Provisionen von zwei bis sechs Prozent des Verkaufswertes verdient haben. Die Plattform war etwa zwei Jahre lang online. Die Server standen in Deutschland, den Niederlanden und Rumänien.

Warum flog die Sache auf?

Weil die Männer offenbar planten, das Portal zu schließen und sich mit dem Krypto-Vermögen Kunden in Millionenhöhe aus dem Staub zu machen. Laut dem Finanzportal CCN ging es bei dieser „Exit Scam“ genannten Flucht um bis zu 30 Millionen Dollar. Als die Unruhe in der Szene stieg, weil die Betreiber das Portal in den Wartungszustand versetzt und damit begonnen hatten, das hinterlegte Geld auf eigene Konten zu überweisen, schlugen die Ermittler zu.
Wie gingen die Ermittler vor?

An den über zwei Jahre laufenden verdeckten Ermittlungen, die zu den Festnahmen führten, waren US-amerikanische, deutsche und niederländische Behörden beteiligt, außerdem die europäische Polizeibehörde Europol. Beamte durchsuchten Ende April die Wohnungen und das Umfeld der Verdächtigen – und entdeckten dabei die Rechner, über die die Plattform betrieben wurde, sowie 550.000 Euro in bar, digitale Währungen in sechsstelliger Höhe und Luxusautos.

Bei dem Tatverdächtigen aus Kleve habe man auch eine Schusswaffe entdeckt. Die Haftrichterin des Amtsgerichts Gießen ordnete Untersuchungshaft wegen „gewerbsmäßiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln“ an. Insgesamt sollen mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaftet worden sein. Den Tätern drohen bis zu 15 Jahre Haft.
Was ist das Darknet?

Im Darknet oder auch „Hidden Web“ („verstecktes Netz“) – einem abgeschirmten Teil des Internet – ist alles erhältlich, was illegal, aber für Kriminelle von hohem Wert ist: Drogen, Waffen, Kinderpornografie. Der Zugang funktioniert über das sogenannte Tor-Netzwerk – das sind über alle Welt verteilte Server, mit denen die Identität des Nutzers verschleiert wird. Diese sogenannten Serverketten werden etwa alle zehn Minuten verändert. Wer wen wann kontaktiert hat, ist auf diese Weise kaum noch nachzuvollziehen. Das Darknet ist anders organisiert als das „offene Netz“ (Surface Web). Google oder eingängige Internetadressen gibt es nicht.

Viele Adressen bestehen nur aus kryptischen Zahlenkombinationen und enden nicht auf Kürzeln wie .com oder .de, sondern stattdessen auf .onion („Zwiebel“). Der Nutzer muss wissen, was und wo er sucht. Ein persönliches Treffen (im Chatslang: RLT, Real-Life-Treffen) zur Warenübergabe ist selten. Meistens wird die illegale Ware anonym per Post oder Paket verschickt, die Bezahlung erfolgt über Internetwährungen wie Bitcoin. Fahnder nutzen oft die Darknet-Identität überführter Nutzer, um an weitere Kriminelle heranzukommen. US-Ermittler schätzen, dass täglich bis zu eine Million US-Dollar über das Darknet umgesetzt werden.
Wie groß ist der Fall?

„Wall Street Market“ war der zweitgrößte illegale Marktplatz im Darknet – er profitierte zuletzt offenbar stark davon, dass der bis dahin größte und älteste Darknetmarktplatz „Dream Market“ für Ende April sein Ende angekündigt hatte. Viele Nutzer waren daraufhin zu „Wall Street Market“ gewechselt. Auch in den USA gab es zwei Festnahmen: Die Staatsanwaltschaft Los Angeles identifizierte durch die Ermittlungen zwei der umsatzstärksten Anbieter von Drogen auf dem „Wall Street Market“. Bei ihrer Festnahme seien illegale Waffen und Bargeld in Millionenhöhe gefunden worden. „Das war eine sehr starke internationale Partnerschaft“, sagte Ryan White von der Staatsanwaltschaft Los Angeles. Er kündigte weitere Festnahmen an. „Mit den modernen technischen Methoden ist man im Darknet nicht mehr anonym unterwegs“, sagte Niels Andersen-Roed von Europol auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden.
Sind solche illegalen Plattformen verboten?

In Deutschland noch nicht. Dadurch können die Täter nur wegen „gewerbsmäßiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln“ belangt werden. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, forderte deshalb eine „klare gesetzliche Regelung, damit auch das Betreiben von illegalen Handelsplattformen künftig verboten wird“. Der Gesetzgeber müsse „Schritt halten mit der Entwicklung“, sagte er. Der Bundesrat hat Mitte März einen Gesetzesentwurf gebilligt, der Ermittlungen gegen Betreiber illegaler Handelsplattformen im Darknet künftig erleichtern soll. Demnach soll im Strafgesetzbuch mit dem § 126a ein neuer Straftatbestand eingeführt werden, der das Betreiben illegaler Marktplätze im Internet unter Strafe stellt.
Können die Behörden überhaupt technisch Schritt halten mit den Tätern?

Es gab zuletzt deutliche Fortschritte bei der Ermittlung gegen Cyberkriminalität. „Wir lernen ständig, aber wir sind auf der Höhe der Zeit und können es mit den Methoden der Täter aufnehmen“, sagte Münch. „Die Zusammenarbeit macht uns stärker.“

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