Urteil am Landgericht Münster Er lieferte Drogen im Münsterland aus – jetzt muss ein Mann aus Enschede ins Gefängnis

Seine Kunden bestellten Drogen aus dem Darknet – er lieferte sie aus. Ein 47-jähriger Mann aus Enschede wurde am Mittwoch (29. August) vom Landgericht Münster verurteilt.

Ahaus – Ein Mann (47) aus Enschede muss nun mit den Konsequenzen seiner Straftaten leben: Die Drogenfahrten, die er zwischen November und Februar vergangenen Jahres ausübte, kommen ihn jetzt teuer zu stehen. Zehn Mal lieferte er illegale Substanzen aus.

Wie die WN berichtet, brachte der gelernte Elektriker eine große Anzahl Drogen nach Deutschland. Er kaufte die Amphetamine sowie Kokain und Haschisch von niederländischen Dealern und brachte die Ware über die Grenze. Hier warf die Päckchen jeweils in Poststationen in Ahaus ein.

Die Kunden des 47-Jährigen hatten die Drogen im Darknet unter dem Tarnnamen “Johnny Cash” bestellt. Für 80 Euro pro Fahrt wurde der Mann von den Dealern über die Grenze losgeschickt. Jetzt wurde er vom Landgericht Münster verurteilt.

Für drei Jahre und neun Monate muss der Mann hinter Gitter. Zwar wurde dem Verurteilten angerechnet, dass er mit seinen Aussagen half, die Ermittlungen der Polizei voranzubringen. Jedoch vermuten die Ermittler, dass sich hinter den Auftraggebern des 47-Jährigen ein größeres Drogen-Netzwerk befindet.
Verurteilter Drogenkurier aus Enschede: Seit Jahren selber drogenabhängig

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren gefordert. Dem Mann sei klar gewesen, so das Plädoyer der Staatsanwältin, dass in den Päckchen keine Schmuckstücken enthalten seien. Aufgrund seiner jahrelangen Drogensucht wurde für den 47-Jährigen vom Gericht zudem eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verordnet.

Der Zoll hat uns erzählt, wie viel Kilo Drogen die Beamten beim Garbicz-Festival eingesackt haben
Spürhunde, Röntgenscanner, 100 Beamte, das volle Programm. Sie fanden unter anderem 412,3 Gramm für den Zoll undefinierbare Substanzen.

Als ich im Vorfeld in Facebook-Gruppen über mögliche Polizeikontrollen entlang des Weges nach Garbicz las, war meine Haltung dieselbe wie immer vor Festivals: “Entspannt euch Leute, keine Panik, als ob man unsere Taschen und Ärsche mit Spürhunden und Scannern bearbeiten würde.” Ich saß im Shuttlebus von Berlin zum Elektrofestival 30 Kilometer hinter der polnischen Grenze und erhielt eine SMS von einer früher abgereisten Freundin.

Die Anweisung: Bitte in einer Reihe aufstellen und die Taschen leeren. Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung des Hauptzollamts Frankfurt (Oder)

Wenige Kilometer vor der deutsch-polnischen Grenze zog der Zoll ihren Bus aus dem Verkehr. Polizeihunde beschnupperten das Businnere, die Beamten schoben Reisetaschen durch mobile Scanner und meine Freundin musste ihre Hosentaschen leeren. Meine Abgeklärtheit verflog und mir ging der Stift wie einem Fünfjährigen allein im Dunkeln. Mutter, wo bist du, wenn man dich braucht?

Die Bellos steckten ihre Supernasen überall rein. Hier in die Klimaanlage, aber auch die Mülleimer der Bustoiletten waren nicht vor ihnen sicher.

Warum das Ganze? Im Nachgang zum Woodstock-Festival Mitte Juli in Polen hat das Hauptzollamt Frankfurt (Oder) bereits mehrere größere Aufgriffe machen können und auf Basis dieser Fälle haben die Beamten dann beschlossen, eine größere Aktion beim Garbicz-Festival zu fahren. Die Kontrollen waren eine Idee der deutschen Seite, so eine Sprecherin des Zolls Frankfurt (Oder). Festivalbesucher spekulierten nämlich, dass die neue extrem konservative Regierung Polens Druck auf die deutschen Behörden ausgeübt habe, um mehr Präsenz und ein Zeichen gegen den Drogenkonsum zu setzen. Aber davon, sagt die Sprecherin, wisse man im Hauptzollamt nichts. Auch nicht, ob auf polnischer Seite ebenfalls kontrolliert wurde. Was sie allerdings weiß, sind die Mengen und Sorten an Drogen, die während der sechstägigen Aktion zwischen dem 4. und 9. August konfisziert wurden.

Crystal: 74,4 Gramm
Amphetamine: 705,74 Gramm (davon 82 Gramm flüssig)
Marihuana: 996,9 Gramm
Haschisch: 270,2 Gramm
9 Joints
LSD: 20 Gramm; 379 Trips
Ecstasy: 47,4 Gramm, Tabletten 403,5
Pilze: 52,5 Gramm
Opiate: 23,7 Gramm
Kokain: 40,6 Gramm
Ephedrin: 11,8 Gramm
Für den Zoll undefinierbare Substanzen: 412,3 Gramm und 208,4 Stück (wir tippen auf Keta)
Zubehör: Pfeifen, Schnupf-Röhrchen oder Grinder: 90 Stück

Und dann haben die Beamten noch ein paar Kippen beschlagnahmt: 60.800 Stück. Billig Polen-Kippen mitnehmen, war leider nicht drin.

Die Busliner wurden von Streifenwagen auf der Autobahn 12 (Berlin-Frankfurt/Oder) abgefangen und zu einem Parkplatz gelotst, wo der Zoll sein Kontrolllager mit all der Gerätschaft aufgebaut hatte. Zu Stoßzeiten waren bis zu 100 Beamte auf der Pirsch.

Verhaftungen gab es keine, was wiederum bedeutet, dass keine Großdealer den Beamten ins Netz gingen. “Letztendlich waren es die Kleinkonsumenten”, so das Hauptzollamt. Insgesamt wurden 469 Strafverfahren vor allem wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

Viele von uns Techno- und Elektrojüngern waren überrascht, dass selbst auf den Rückfahrten kontrolliert wurde. Man hätte annehmen können, dass der Zoll sich nicht die Mühe macht, die bereits durch die Hinfahrt alarmierten Festivalbesucher auch noch auf dem Heimweg zu durchsuchen—zumal davon auszugehen war, dass die meisten Drogen bereits aufgebraucht sein würden. Doch im Gegenteil: “Man könnte sogar sagen, dass fast mehr auf der Rückfahrt gefunden wurde. (…) Wir haben auch gedacht, dass die Leute die Rückfahrt besser überstehen würden”, schmunzelte die stellvertretende Pressesprecherin im Gespräch mit uns.

VICE: Gab es in der Vergangenheit überhaupt jemals eine so große Kontrolle?
Sprecherin: So konzentriert auf Drogen war es das erste Mal in der näheren Vergangenheit.

Gab es typische Verstecke?
In den Bussen wurde viel unter den Sitzen gefunden und unter den Teppichen. Auch in den Gardinenleisten.

Was waren die skurrileren Fundorte?
Obst zum Beispiel. Eine Banane war dabei. Ach ja, und Sonnenmilch.

Wurde das durch die Scanner gefunden oder haben es die Hunde gerochen?
Teilweise die Scanner, aber auch der siebte Sinn der Zöllner. Wenn man sich zum Beispiel einen Apfel etwas genauer anguckt, dann wird das Versteck doch sichtbar.

Teilweise ging den Leuten echt der Arsch auf Grundeis. Stehen jetzt noch weitere Kontrollen für kommende Festivals aus? Mit anderen Worten: Fahren sie jetzt eine große Agenda gegenüber dem Drogenkonsum?
Also a) weiß ich das nicht und b) würde ich es Ihnen auch nicht sagen. [Lacht]

Prozess am Amtsgericht: Viel Wirbel um falschen Fünfziger

Oben echt, unten nicht: Das Bezahlen mit einem falschen Fünfziger hat am Amtsgericht Oberhausen eine über zweistündige Verhandlung zur Folge gehabt.

Der Kauf einer Cola mit einem falschen Fünfzig-Euro-Schein hat am Oberhausener Amtsgericht gleich sechs Zeugen auf den Plan gerufen. Die Verhandlung der Strafsache ging über zwei Stunden. Angeklagt wegen Geldfälschung waren zwei 25-jährige Männer aus Oberhausen, einer sri-lankischer, der andere deutscher Herkunft.

Ersterer soll sich die „Blüte“ im Frühjahr 2016 mit seinem Laptop im Darknet beschafft und sie im Juni dann an den zweiten Angeklagten weitergegeben haben – mit der Bitte, davon Marihuana zu kaufen. Bei der Übergabe soll er eher salopp hinzugefügt haben, dass es sich bei dem Schein um eine Fälschung handele. Die Angeklagten kannten sich aus einer Maßnahme beim Jugendwerk „Die Kurbel“.
Kioskbesitzer nimmt Verfolgung auf

Der frische Falschgeld-Besitzer soll daraufhin einer ebenfalls bei der „Kurbel“ tätigen Kollegin am Kiosk eine Cola „spendiert“ haben. Den 50-Euro-Schein musste die damals 20-Jährige dort aber selbst auf den Tresen legen. Im Zuge der Verhandlung war sie als erste Zeugin geladen – und bestätigte, was die Staatsanwaltschaft den Angeklagten zur Last legte.

Der Besitzer des Kiosks wiederum hatte den Braten schnell gerochen: In seiner Vernehmung sagte der 36-Jährige, dass er beim Anblick des Scheins sofort skeptisch gewesen sei – zu „fettig“ habe er sich angefühlt, zu „zerknüllt“ habe man ihm diesen in die Hand gedrückt. Also habe er die Verfolgung aufgenommen und die Cola-Käuferin sowie die Angeklagten kurz darauf in der „Kurbel“ angetroffen.

Der rigorose 36-Jährige habe auf der Stelle sein Wechselgeld zurückgefordert, den gefälschten Fünfziger trug er als Beweisstück bei sich. Im Beisein eines hinzugeeilten Mitarbeiters der „Kurbel“, ebenfalls als Zeuge vor Gericht, habe der Angeklagte sri-lankischer Herkunft die „Blüte“ jedoch urplötzlich an sich genommen und zerrissen – was sowohl der Kiosk-Besitzer als auch das Gericht später als eine Art Schuldeingeständnis werteten.
GPS-Daten verraten Angeklagten

Nach dem Vorfall hatte die zuständige Bereichsleiterin des Jugendwerks den 25-jährigen Sri Lanker vorerst freigestellt. Zudem erstattete der Geschäftsführer der „Kurbel“ Anzeige. Beide waren als Zeugen geladen – ebenso wie zwei Oberhausener Polizeibeamte, die bei einer Wohnungsdurchsuchung den Laptop und das Smartphone des Geldfälschers gesichert hatten. Darauf fanden sich gleich mehrere Fotos unechter Banknoten. Und die in der Bilddatei gespeicherten GPS-Daten verrieten, dass sie in der Wohnung des 25-Jährigen aufgenommen wurden – mit dessen Smartphone.

Nichtsdestotrotz stritt dieser bis zum Schluss die Vorwürfe ab und machte seinen Nebenmann auf der Anklagebank verantwortlich. Der 25-Jährige deutscher Herkunft hatte jedoch gleich zu Beginn der Verhandlung den Anklagevorwurf eingeräumt und sein Verhalten bereut.

Am Ende eines langen Vormittags sah es das Gericht als erwiesen an, dass sich beide Angeklagte der Geldfälschung schuldig gemacht hatten. Weil er den Schein im Dark-net bestellt und mittels Dritter in Umlauf bringen wollte, wurde der 25-Jährige aus Sri Lanka zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Aufgrund der bewussten Planung der Tat sah der Richter hier „deutlich mehr kriminelle Energie“ als bei seinem „Helfer“. Dieser kam – auch dank seiner Geständigkeit – mit drei Monaten auf Bewährung davon. Das Gericht wertete die Tat vor dem Kiosk als minderschweren Fall. Sie sei „spontan und ungeplant“ gewesen.
So erkennen Sie echte Geldscheine

Im Hologramm auf der Vorderseite (rechts) wandern beim Kippen des Geldscheins Regenbogenfarben über den Streifen.

Über die grünliche Wertzahl auf der Vorderseite (links unten) wandert ein heller Balken.

Auf der Rückseite des Scheins (mittig) wird im Gegenlicht ein dunkler Glanzstreifen sichtbar.

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