Coburg: Drogenhandel übers Darknet

Die Aussage von sechs jugendlichen Dealern aus Neustadt führte am Ende zu seiner Festnahme: Nun steht der Niederländer in Coburg vor Gericht.

Coburg – Er hatte Abnehmer im gesamten Bundesgebiet, auch sechs jugendlichen Dealer aus Neustadt gehörten zu seinem Kundenkreis. Die Aussage der Neustadter Jugendlichen führte letztendlich zu dem 30-jährigen Mann aus den Niederlanden, der sich nun wegen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln im großen Stil vor dem Coburger Landgericht verantworten muss.

Der Mann, der im sogenannten Darknet als “Mister Drogenkommandant” auftrat, hat die Taten bereits gestanden; immerhin umfasst die Anklageschrift 20 Seiten. Am dritten Verhandlungstag berichteten die Beamten die Bundeskriminalamtes (BKA) aus Wiesbaden, wie sich der Zugriff in einem Einkaufsmarkt in Bocholt (Nordrhein-Westfalen) abspielte. Der Mann versuchte demnach filmreif mit dem Auto zu flüchten, wobei es zur einer Kollision mit den Fahrzeugen der Beamten des Mobiles Einsatzkommandos (MEK) kam. Mit der Art seiner Festnahme war der Angeklagte nicht einverstanden. “Meiner Meinung hätte die Festnahme anders ablaufen können, ich wurde doch bereits observiert”, kritisierte er am Donnerstag.

Wie die BKA-Beamten weiter berichteten, wurden in der niederländischen Wohnung des Mannes 80 Kilogramm an unterschiedlichen Rauschgiften sichergestellt, darunter Ecstasy, Heroin, Kokain und Cannabis, außerdem auch mehrere Laptops. Auch im Kühlschrank hätten sich Betäubungsmittel befunden, führte eine BKA-Kripobeamtin aus. “Es war mehr Arbeitsstätte mit Logistikzentrum und Platz zum Verpacken der Drogen als eine Wohnung”, so Beamtin.

Ebenso seien im Haus der Mutter des Angeklagten Drogen, Laptops und eine Geldzählmaschine sichergestellt worden. Insgesamt soll mit Drogen in einer dreistelligen Kilogramm-Größenordnung gehandelt worden sein. Vermutlich mit einer weiteren Person und seiner Mutter hat der Angeklagte im gesamten Bundesgebiet gewinnbringend im großem Umfang die Drogen vertickt. Von seinem Wohnsitz in der Niederlanden aus richtete er über das TOR-Netzwerk eine illegalen Plattform im sogenannten Darknet ein, wo er unter dem Pseudonym “Mister Drogenkommandant” Betäubungsmittel an vornehmlich an deutsche Abnehmer verkaufte, zu denen auch die Jugendlichen aus Neustadt gehörten. An die Neustadter “Kids” verkaufte er unter anderem 42 Kilogramm Marihuana und 100 Gramm lupenreines Kokain und damit die größte Menge im Coburger Polizeibezirk. Letztendlich brachte die Aussage der Jugendlichen das BKA auf die Spur des Hintermanns aus Holland. Die Betäubungsmittelgeschäfte liefen so ab, dass die Verkäufer über die Plattform bestellten und vorab in Bitcoins bezahlten. Der Angeklagte gab das Rauschgift versandfertig in verschiedenen Postfilialen auf oder er übergab es persönlich. Er mietet sich in Hotels in ganz Deutschland ein, auch im Coburger Raum, wo er die Deals mit den Neustadter Jugendlichen abwickelte.

Wie Richter Klaus Halves ausführte, sei es in den ersten beiden Verhandlungstagen sehr schnell zu einem Rechtsgespräch gekommen. “Es ist hervorzuheben, dass sich der Angeklagte einem Drogenentzug unterziehen möchte”, so Halves. Wie Richter Halves zusammenfasste, hatte der Angeklagte die ersten Jahre seiner Kindheit mit seiner Mutter in Deutschland gelebt. Die Mutter flüchtete mit dem Kind über Großbritannien und strandete schließlich in den Niederlanden, nachdem ihr angedroht worden war, der Junge würde in einem Kinderheim untergebracht. Seit seinem 16. Lebensjahr ist der Mann drogenabhängig. Das Urteil wird am Dienstag, 17. Juli, erwartet.

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