“Black Hand” offline: Französischer Darknet-Handelsplatz zerschlagen

Den französischen Behörden ist ein großer Schlag gegen einen Darknet-Handelsplatz gelungen. Wie der Zoll bestätigte, war das der erste große Erfolg gegen den illegalen Handel im Internet in Frankreich.
Die Plattform “Black Hand” wurde von den französischen Behörden jetzt abgeschaltet. Laut Medienberichten hatte man den illegalen Marktplatz seit Monaten überwacht, um an die Hintermänner heranzukommen. In der vergangenen Woche erfolgte dann der Zugriff. Man konnte dabei den französischen Darknet-Handelsplatz zerschlagen, berichtet unter anderem das Handelsblatt.

Haupt-Drahtzieher geschnappt
Neben der Sicherstellung von Beweismaterial und dem Zugriff auf die Server von Black Hand konnte man vor allem mehrere Administratoren festsetzen. Der Zugriff fand in mehreren Städten statt, wie viele Verdächtige dabei geschnappt wurden ist derzeit nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass man den Darknet-Anbieter zerschlagen konnte und die wichtigsten Haupt-Drahtzieher enttarnt hat.

Beschlagnahmungen
Der Betreiber der Website und einige Mittäter wurden verhaftet. Entdeckt wurden bei den Durchsuchungen dann unter anderem gefälschte Ausweispapiere, die wohl zum Handel gedacht waren. Zudem wurde rund 4.000 Euro in bar und etwa 25.000 Euro in verschiedenen virtuellen Währungen beschlagnahmt. Vier der Verdächtigen wurden nach 48 Stunden in Polizeigewahrsam wieder auf freien Fuß gesetzt. Das zuständige Gericht hat bereits Anklage erhoben, heißt es in einem Bericht des zuständigen Ministeriums.

Bei Black Hand fand ein reger Handel mit allerlei Drogen und Waffen statt, man konnte aber laut den Behörden auch falsche Papiere und gestohlene Bankdaten erwerben. “Die Zerschlagung dieser Plattform ist eine nationale Premiere”, zeigte sich Haushaltsminister Gérald Darmanin nach der Aktion erfreut. Black Hand soll nach Recherchen der Regierung der größte Handelsplatz seiner Art in Frankreich gewesen sein. Mehr als 3.000 Personen sollen sich über die Seite illegal Leistungen und Waren verschafft haben.

Angeklagter wollte Kokain und Co. „nur mal ausprobieren“ / Geldstrafe
Drogen im Darknet geordert – 22-Jähriger in Salzwedel verurteilt

Vor dem Amtsgericht stand ein 22-Jähriger, der Drogen im Darknet bestellt hatte.

Salzwedel. Einerseits hat der Angeklagte seit elf Jahren einen Betreuer. Andererseits kennt er sich im sogenannten Darknet aus. Dort hatte der 22-Jährige im vergangenen Jahr in drei Fällen Haschisch, Kokain, Ecstasy und Amphetamine geordert.

Dafür musste er sich vor dem Salzwedeler Amtsgericht verantworten.
Aus dem Gericht

Das Darknet ist technisch gesehen ein komplett verschlüsselter Bereich des Internets. Man kann es auch als Paralleluniversum des normalen Internets beschreiben. Indes dient es nicht ausschließlich illegalen Zwecken.

Ein Freund habe ihn auf das dunkle Netz aufmerksam gemacht, berichtete der junge Mann. Er sei fasziniert gewesen, was es dort alles zu kaufen gibt, berichtete er der Staatsanwältin und Richter Dr. Klaus Hüttermann. Er habe sich ein Bitcoin-Konto (digitale Währung) angelegt und sei auf Einkaufstour gegangen. Pro Bestellung habe er etwa 100 Euro ausgegeben. Er wollte die Drogen „mal ausprobieren“ und habe festgestellt, dass sie nichts für ihn seien. Das Ausprobieren nahmen ihm Richter und Anklagevertreterin nicht wirklich ab. „Warum haben Sie dreimal bestellt? Wenn Sie nur ausprobieren wollten, wären Sie doch nach dem ersten Mal durch damit gewesen?“, fragte Hüttermann. Eine überzeugende Antwort blieb der Angeklagte dem Gericht schuldig.

Am Ende verurteilte Hüttermann den 22-Jährigen zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Wobei der Amtsrichter betonte, dass der Angeklagte sich die Drogen nicht mal eben im Vorbeigehen auf der Straße besorgt, sondern mit krimineller Energie aufwendig im Darknet bestellt habe. Zugute hielt ihm das Gericht, dass der junge Mann demnächst einen Job in seinem erlernten Beruf als Maurer in Bayern in Aussicht habe. In Salzwedel sehe er für sich keine Zukunft mehr, gab er zu Protokoll.

Rechtsanwalt Sascha-Frank Loubal sieht Kriminelle im Netz technisch im Vorteil

GIESSEN – Darknet, Botnet, Mal- oder Ransomware: Davon gehört haben bereits viele, doch die wenigsten wissen, was sich dahinter verbirgt. Um etwas Licht ins Dunkel des Cybercrimes zu bringen, hat der Verein Criminalium Gießen – gemeinsam mit der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung und der Studierendenorganisation Elsa-Gießen – einen Vortrag zum Thema Internetkriminalität organisiert.

Unter dem Titel “Kriminalität 4.0 – Herausforderung Cybercrime” referierte Rechtsanwalt und Fachmann Sascha-Frank Loubal, “über etwas, was man im Alltag vielleicht nicht so mitbekommt”. Dabei sei Internetkriminalität kein neues Delikt, das erst seit Kurzem existiert. “Seitdem die Öffentlichkeit das Internet nutzen kann, gibt es auch rechtliche Probleme”, machte Loubal deutlich. Die Schwierigkeit liege darin, dass neuere Entwicklungen in diesem Bereich immer eine gewisse Zeit bräuchten, bis sie in Gesetze umgesetzt werden würden. “Im Cybercrime gibt es einen rechtlichen Rückstand gegenüber der Technik”, lautete sein Urteil. Als Beispiel für die manchmal noch sehr altmodischen Rechtstexte nannte er Straftatbestände, die das Telegramm betreffen. “Wer von ihnen hat das denn in letzter Zeit vom Postboten bekommen? Oder überhaupt innerhalb der letzten 20 Jahre?”, schmunzelte der Referent. Neuere Messenger-Dienste seien dagegen noch gar nicht erfasst, das sei ein Problem.

Doch nicht nur der Gesetzgeber hat seine Schwierigkeiten, auch die Ermittler können sich nicht um alle Fälle der Internetkriminalität kümmern. “Es werden zwar stetig mehr Stellen geschaffen, allerdings reichen die Kapazitäten nicht aus, sodass häufig nur in laufenden Verfahren ermittelt wird”, bedauert Loubal. Zudem sei dieses Thema sehr komplex und man könne relativ schnell den Überblick verlieren. Die Kriminalstatistik der Polizei weise Cybercrime deutlich kleiner aus, als er in Wahrheit wohl sei, meinte der Anwalt. “Die Schwerpunkttaten sind Kredit- und EC-Karten Betrugsfälle. Hacking wird dagegen häufig gar nicht erfasst, entsprechend ist die Dunkelziffer deutlich höher”, argumentierte er. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 108 510 Computerstraftaten, davon waren 86 372 Computerbetrug.

Ermittlungen in diesem Bereich seien für die Behörden eine Herausforderung. Denn die Täter können ortsunabhängig arbeiten, sind meist sehr schnell und bewegen sind anonym durch das Internet, nannte Loubal einige Probleme für die Ermittler. “Sie erwarten immer den gefährlichen Hacker aus Russland, dabei kann es auch der nette Versicherungsberater von nebenan sein, der im Darknet Marihuana verkauft”, räumte er mit einem Vorurteil auf. Kriminelle müssten heute schlichtweg nicht mehr mit einer Waffe in die Bank, um sie zu überfallen. Ihnen genüge meist ein einfacher Hack, um Geld zu erbeuten. “Unsere Abhängigkeit von der Informationsgesellschaft erleichtert das alles natürlich, denn niemand möchte auf sein Smartphone oder Tablet verzichten”, machte der Experte deutlich.

Generell sei die Aufklärungs- und Entdeckungsquote von Cybercrime sehr überschaubar. Oftmals würden die Täter auf simple Abschreckung setzen und damit auch Erfolg haben. “Sie erpressen Menschen, indem sie via Ransomware den PC sperren und man diesen nur freibekommt, wenn eine gewisse Geldmenge in virtueller Währung überwiesen wird. Die meisten gehen aus Sorge um ihre Daten darauf ein”, sprach Loubal aus Erfahrung. Ob Datenklau, die Datenveränderung oder das Phishing, meistens gelte für die Täter, wenn sie schnell sind, dann klappt es. “Darum gilt, bleiben sie digital, aber vorsichtig”, schloss der Referent seinen Vortrag.

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