Massiver Schlag gegen Darknet-Forum: Razzia in 14 Bundesländern

Underground-Economy-Forum im Visier: crimenetwork alternative

Massiver Schlag gegen „Darknet“-Nutzer. Knapp 1.000 Beamte durchsuchten gestern Abend in 14 Bundesländern rund 120 Wohnungen und Geschäftsräume.

Die Generalstaatsanwaltschaften Bamberg, Frankfurt am Main und Koblenz sowie die Staatsanwaltschaften Köln, Osnabrück, Saarbrücken, Stuttgart und Verden (Aller) führen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) und den Landeskriminalämtern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein in einer gemeinsamen Bund-Länder-Gruppe umfangreiche Ermittlungen gegen führende Mitglieder des Underground-Economy-Forums „crimenetwork.biz“.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, über dieses inzwischen abgeschaltete Forum mit illegalen Waren und Dienstleistungen gehandelt zu haben.

Über 1.000 Ermittler bei Durchsuchungsaktion

In den Abendstunden des 07.03.2017 durchsuchten mehr als 1.000 Ermittler durch das Bundeskriminalamt koordiniert im gesamten Bundesgebiet über 120 Wohnungen und Geschäftsräume und stellten umfangreiches Beweismaterial sicher.

Betroffene dieser Maßnahmen waren Nutzer des Forums crimenetwork alternative, die über diese im sogenannten Darknet agierende Plattform unter anderem betrügerisch erlangte Waren, Drogen und Arzneimittel verkaufen.
Erstmals umfassender Einblick

Die Ermittlungen ermöglichten es erstmals, einen umfassenden Einblick in die im Darknet stattfindenen Straftaten zu erlangen sowie die Nutzer zu identifizieren und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.

Cyberspezialisten arbeiten Bundesweit crimenetwork alternative

Ein Novum in diesem Phänomenbereich: Erstmals arbeiteten Cyberspezialisten verschienener Landeskriminalämter und des BKA in einer Ermittlungsgruppe im Bundeskriminalamt in Wiesbaden zusammen.
Eine Million Postings und Nachrichten ausgewertet

Gemeinsam werteten sie in vier Monaten über eine Million Postings und private Nachrichten von mehr als 260 Usern des Underground-Economy-Forums aus.

Sie identifizierten insgesamt 153 Mitglieder des Forums, elf von ihnen werden der Führungsebene zugerechnet crimenetwork alternative.

Die anschließenden Ermittlungen gegen die einzelnen Tatverdächtigen führen die zuständigen Polizeidienststellen in den Bundesländern.
Bildung einer kriminellen Vereinigung

Den elf mutmaßlichen Administratoren des Forums wird insbesondere den Tatvorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt.

Gegen die Nutzer des Forums wird vornehmlich wegen Betruges, Computerbetruges, Datenhehlerei und Geldwäsche sowie des illegalen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln, Arzneimitteln und Waffen ermittelt.

crimenetwork alternative

Prozessauftakt in Landau “Chemical Love” aus dem Darknet

Sie sollen mit einem gigantischen Online-Shop für illegale Drogen Millionen verdient haben. Am Donnerstag begann in Landau der Prozess gegen die drei Hauptangeklagten.
Prozessauftakt am Donnerstagmorgen in Landau

Prozessauftakt am Donnerstagmorgen in Landau

“Chemical Love” – so hieß die Internetseite, über die Kunden Drogen aller Art ordern konnten – vom LSD-Trip bis zum Kokain-Päckchen. Wie bei einem online-Buchhändler oder einer Versandapotheke: ankreuzen, bestellen, fertig. Bezahlt wurde meist mit der virtuellen Währung Bitcoins.

Der illegale Handel spielte sich laut Staatsanwaltschaft vor allem im so genannten Darknet ab, einem Teilbereich des Internets, der häufig für kriminelle Machenschaften verwendet wird, weil die Nutzer dort kaum Spuren hinterlassen.

Drogengeschäfte für 3,5 Millionen Euro crimenetwork alternative

Drogenhandel im Internet

Die drei Angeklagten, alle zwischen 30 und 33 Jahre alt, sollen auf diese Weise zwischen Januar 2015 und April 2016 Amphetamine, Kokain, Haschisch, Crystal Meth, Ecstasy und weitere Drogen für insgesamt rund 3,5 Millionen Euro verkauft haben. Die Anklageschrift geht von mehr als 2.200 Lieferungen aus. Die Drogen hatten die Täter offenbar in den Niederlanden beschafft und im südpfälzischen Rülzheim sowie in Pforzheim gelagert.
Ex-Fußballprofi in den Fall verwickelt

Als Hauptdrahtzieher des illegalen Drogenhandels gilt der Sohn des ehemaligen Stuttgarter Fußball-Nationalspielers Walter Kelsch. Vor Gericht gab der 30-Jährige an, seit frühester Jugend selbst Drogen genommen zu haben. Später habe er bundesweit mit seiner derzeitigen Verlobten Wohnungen an Prostituierte vermietet. Ab Mai 2015 habe er dann mit dem Drogenhandel im Internet begonnen.

Die zwei anderen Angeklagten sollen bei Kurierfahrten und beim Vertrieb der Drogen geholfen haben. Die beiden Brüder waren vor knapp einem Jahr zusammen mit dem Kopf der Bande in Rülzheim verhaftet worden. Der Handel war laut Gericht aufgeflogen, als Ermittler im Darknet gezielt nach Straftaten suchten und Telefone von Verdächtigen überwachten. Zur Bande soll auch Ex-Fußballnationalspieler Walter Kelsch selbst gehören. Er soll für seinen Sohn Kurierfahrer gewesen sein. Gegen ihn wird separat verhandelt.

Weitere Prozesse folgen crimenetwork alternative

Das Gericht hat für die Verhandlung insgesamt 20 Termine festgelegt. Das Urteil soll Anfang Juni verkündet werden. Bereits am 2. März hatte am Landgericht Landau der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kurierfahrer begonnen, der für die Angeklagten mit seinem Auto rund 45 Kilogramm Amphetamin aus den Niederlanden nach Deutschland transportiert haben soll.

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