Brandenburgs erfolgreichster Cyber-Dealer Geld des Dark-Net-Dealers ist verschollen

Er war in seinem illegalen Metier erfolgreich. Sehr erfolgreich sogar. Doch dann kam das FBI dem Drogenhandel im Internet auf die Schliche. Jetzt wird er wohl für einige Jahre in den Knast wandern. Doch eine Frage bewegt die Ermittler: Wo ist das Drogen-Geld?

Brandenburg an der Havel. Brandenburgs zeitweise erfolgreichster Internet-Drogenhändler wird zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit für einige Jahre ins Gefängnis einrücken. Doch womöglich bleibt er dort ein wohlhabender Mann. Denn die Ermittler haben nicht herausgefunden, wie viel Geld er verdient hat und wo seine Einkünfte geblieben sind. Das wurde am Donnerstag im Landgericht Potsdam deutlich.

Wie berichtet sind vier aus Brandenburg an der Havel stammende Männer derzeit angeklagt, zeitweise als Bande in großen Mengen mit gefährlichen Drogen gehandelt und dabei die dunklen Kanäle des Internet genutzt zu haben: das Dark Net.

Die Tatbeteiligung der vier Brandenburger, allesamt Anfang 30, ist unterschiedlich. Wie sich bisher aus dem Strafprozess in Potsdam ergibt, steht und fällt der Rauschgifthandel, den die Bande von April 2012 bis zur Festnahme im Juli 2013 betreibt, mit der Person des damaligen Bundeswehrsoldaten Mark W. Die anderen drei sind so etwas wie seine Angestellten, denen er Aufgaben übertragen hat.

Der 31-Jährige ist der Kopf des Internetgeschäfts für Drogen namens „Afterhour“. Für die Rauschgiftfahnder ist Mark W. 2012 und 2013 einer der beiden Top-Verkäufer auf der Internetplattform „Silk Road“ (Seidenstraße). Auf Silkroad sollen weltweit kriminelle Geschäfte im Wert von 1,2 Milliarden Dollar abgewickelt worden sein. Mark W. aus Brandenburg an der Havel war daran nicht unmaßgeblich beteiligt.

Aus Unterlagen der amerikanischen Bundespolizei FBI ergibt sich, dass Mark W. und der inzwischen zu sieben Jahren Haft verurteilte Sascha F. aus Niederbayern um Platz 1 als erfolgreichste Drogenhändler im Dark Net konkurrierten – fast sportlich und sogar freundschaftlich, wie Thomas P. (39), ein leitender Ermittler des bayrischen Landeskriminalamtes, am Donnerstag im Gerichtssaal berichtet. Selbst als Mark W. 2013 schon vier Monate in Untersuchungshaft sitzt, ist sein Drogenladen „Afterhour“ noch auf Platz 4 der Silk-Road-Rangliste. Dort hatte der inzwischen verurteilte Silk-Road-Chef Ross Ulbricht bewertet, welche Händler auf seinem virtuellen Schwarzmarkt den meisten Umsatz erzielt, die größten Mengen Drogen verkauft und die beste Kundenzufriedenheit erreicht haben.

Mark W. stand mit „Afterhour“ so wie sein Freund-Konkurrent Sascha F. mit „Pfandleiher“ ganz weit oben auf dieser Erfolgsskala. Nach den FBI-Unterlagen hätte Mark W. mit den dunklen Geschäften zwei Millionen US-Dollar Umsatz erzielt. Ob das die ganze Wahrheit ist, die halbe oder weniger, das weiß vermutlich nur der Angeklagte.

Die Landeskriminalämter in Bayern und Brandenburg sind ihm zwar durch die Hilfe österreichischer Polizeikollegen auf die Schliche gekommen. Doch der leitende Kripomann aus München machte im Potsdamer Gerichtssaal deutlich, wie unzufrieden er mit dem Ermittlungsergebnis ist.

Thomas P. beklagte, dass seine Behörde die Ermittlungen zu Mark W. und seinen Brandenburger Komplizen ans LKA Brandenburg abgeben musste. Der leitende Ermittler mutmaßte, dass große Teile der illegalen Einkünfte auch deshalb nicht sichergestellt werden konnten.

Das Geld des Mark W. schwebt womöglich auf einer Wolke durch den Internethimmel. Denn „Cloud“ ist das englische Wort für Wolke und meint gleichzeitig einen geheimen, nur für eine autorisierte Person zugänglichen, kompliziert verschlüsselten Speicherort im Internethimmel. In eine solche Cloud lässt sich alles mögliche ablegen, auch eine virtuelle Geldbörse (Wallet) mit virtuellem Geld (Bitcoins).

Sogenannte Bitcoins sind eine virtuelle Währung, die im Onlinehandel legal und illegal eingesetzt werden kann. Mark W. ist ein Meister des Umgangs mit Bitcoins. Die Ermittler glaubten sogar zunächst, Mark W. sei nur der Bitcoin-Bankier der Drogenhändler. Erst relativ spät wurde ihnen klar, dass sie mit dem Brandenburger den zweiten großen Rauschgiftfisch an Land gezogen hatten.

Den Münchner LKA-Ermittlern gelang es trotz aller Bemühungen von Kriminaltechnikern nicht, die Cloud mit den Einnahmen des Mark W. in den Tiefen des Internet aufzuspüren. Der erwähnte leitende Kripo-Beamte Thomas P. bedauert, dass die Arbeit seiner Behörde auf halber Strecke stehen geblieben ist. Vom Brandenburger LKA ist nicht bekannt, dass deren Beamte überhaupt nach dem mutmaßlichen Geheimvermögen ihres Angeklagten gesucht haben.

Der im Prinzip geständige Angeklagte Mark W. beteuert, dass seine Bitcoins auf seinem Silk-Road-Konto verblieben seien und das FBI sie dort beschlagnahmt habe. Auch diese Version halten die bayrischen Beamten immerhin für möglich.

Aus dem Darknet in die Fänge der Polizei

Die Polizei hat auf einem Parkplatz an der A1 einen Mann festgenommen, der sich über das Internet eine scharfe Schusswaffe samt Munition beschaffen wollte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden eine Softair-Schusswaffe, Butterfly-Messer und eine Cannabis-Plantage gefunden.

Nach einem illegalen Waffenkauf im Darknet flog ein 29-jähriger Lübecker auf.

Foto: Nach einem illegalen Waffenkauf im Darknet flog ein 29-jähriger Lübecker auf.

Der 29-Jährige hatte über das sogenannte Darknet, einen anonymen Bereich des Internets, einen Übergabetermin vereinbart, wie das Landeskriminalamt am Donnerstag mitteilte. Auf dem Parkplatz überraschten dann Polizisten am Montag den Lübecker. Die Ermittlungen gegen ihn liefen seit Dezember.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Mannes fanden Beamte nicht nur den PC, über den er im Darknet unterwegs war, sondern auch eine Softair-Schusswaffe und zwei verbotene Butterfly-Messer. Außerdem entdeckten sie eine kleine Cannabis-Plantage mit 60 Pflanzen. Auf den 29-Jährigen kommt nun eine Anklage wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und gegen das Betäubungsmittelgesetz zu.

Beim nächsten Mal „kracht‘s im Gebälk“
Amphetamine aus dem Darknet: Geretsrieder (31) kommt mit Bewährung davon

Mit viel Glück ist ein Geretsrieder (31) an einer langen Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt. Vor Gericht gab sich der wegen des Erwerbs größerer Mengen Amphetamine angeklagte Wiederholungstäter reumütig.

Geretsried –  Das tat er häufig in den vergangenen Jahren, wenn er auf der Anklagebank saß und im Geiste die Zellentür schon ins Schloss fallen hörte. Doch auch diesmal blieb die Tür angelehnt: Zwei Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung, lautete das Urteil.
Falsch frankiert landete die Sendung bei der Polizei

Im August 2015 hatte der gelernte Industriemechaniker im sogenannten Darknet zwei Mal jeweils rund 250 Gramm Amphetamine bestellt. Die Ware ließ er zur Wohnung seiner Mutter senden. Das funktionierte beim ersten Mal reibungslos. Die zweite Sendung war jedoch falsch frankiert: Es fehlten 95 Cent. Zurückgeschickt werden konnte das Paket nicht, weil als Absender missbräuchlich die Adresse einer Firma in Dortmund angegeben war. So landete die heiße Ware bei der Polizei, die wenig Mühe hatte, den Weg zum Geretsrieder zurückzuverfolgen. Vor dem Schöffengericht trat Verteidiger Thomas Pfister die Flucht nach vorne an. „Die Anklage ist ohne jedes Wenn und Aber richtig“, erklärte er. Ein Drittel sei für seinen Mandanten selbst gewesen, zwei Drittel hätten zur Finanzierung des Eigenkonsums verkauft werden sollen.
Angeklagter: „Damals war es nicht möglich, den Tag ohne Speed zu beginnen“

Der Angeklagte bestätigte dies. Als Grund gab er an, er habe in jener Zeit „Unmengen an Amphetaminen konsumiert“, um vor Problemen zu flüchten. „Damals war es nicht möglich, den Tag ohne Speed zu beginnen“, sagte der Beschuldigte. Als dann die Polizei vor der Tür stand, sei das für seine Mutter ein so großer Schock gewesen, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitt. Das habe ihn schließlich zum Umdenken bewogen. „Ich habe mir gesagt, so kann es nicht weitergehen“, beteuerte der Mann auf der Anklagebank. Er habe „sehr darunter gelitten, was ich meinen Eltern antue“.
In 15 Jahren elf Mal vor Gericht

Elf Mal stand der Geretsrieder in den vergangenen 15 Jahren vor Gericht – unter anderem wegen Störung des öffentlichen Friedens, Körperverletzung, Beleidigung, Diebstahls und Drogenbesitzes. Mehrmals verließ er dabei mit Haft- und Bewährungsstrafen den Gerichtssaal. Zuletzt war er wegen Volksverhetzung zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Obwohl er unter offener Bewährung erneut straffällig geworden war, zeigte das Gericht „ein letztes Mal Großzügigkeit“. Während die Staatsanwältin zwei Jahre und vier Monate beantragt hatte, entschieden der Vorsitzende und die zwei Schöffen, mit einem Strafmaß von zwei Jahren gerade noch im bewährungsfähigen Rahmen zu bleiben. Leicht gemacht hatten sie sich die Entscheidung nicht. „Lernt er’s, kapiert er’s oder blendet er wieder?“, fragte Richter Helmut Berger und ließ eine gehörige Portion Skepsis durchklingen.
Verteidiger: „Bei der kleinsten Verfehlung kracht‘s im Gebälk“

Auf welch schmalem Grad der Geretsrieder sich künftig bewegt, verdeutlichte auch die Verteidigung. „Noch mal Bewährung ist ein Geschenk, aber auch eine Leihgabe – die kann man zurückverlangen“, redete Pfister seinem Mandanten ins Gewissen. „Bei der kleinsten Verfehlung kracht’s im Gebälk. Egal, ob sie ein Kaugummi stehlen oder Auflagen nicht erfüllen.“
Fünf Jahre Bewährungszeit

Die Bewährungszeit legte das Gericht auf fünf Jahre fest. Als Gegenleistung für seine Freiheit muss der Verurteilte 4000 Euro an die Caritas zahlen, jeglichen Drogenkonsum unterlassen und dies zwei Jahre lang durch entsprechende Screenings nachweisen sowie sich einer Therapie unterziehen.

Landgericht Stuttgart verurteilt Waffenhändler
Ex-Hockeyspieler muss ins Gefängnis

Das Landgericht Stuttgart hat einen einstigen Hockey-Jugendnationalspieler zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte aus seiner Wohnung heraus unter anderem mit Marihuana und Kokain gehandelt.

Stuttgart – Verteidiger Philipp Gerber hatte vier Jahre beantragt, Staatsanwalt Stefan Fahrion viereinhalb. Doch die Richter und Richterinnen der 7. Strafkammer des Landgerichts haben ihre eigene Sicht auf das, was sich der 28-jährige Angeklagte hat zu Schulden kommen lassen. Das Urteil: fünf Jahre Gefängnis wegen bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln, wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffen- und Waffengesetz und wegen Geldfälschung.

Der Fall des einstigen Hockey-Jugendnationalspielers aus Norddeutschland, der zuletzt in Stuttgart gelebt hatte, zeigt einmal mehr die ungeahnten Tiefen des Internets auf. Dort gibt es so ziemlich alles. So hatte sich der 28-Jährige Ende 2015 bei einem Anbieter namens Crime Network sieben gefälschte 50-Euro-Scheine für einen Stückpreis von sieben Euro bestellt. Allerdings sei die Qualität so schlecht gewesen, dass er sich mit einer der Blüten eine Zigarette angezündet habe. „Das gab ein cooles Foto. Ich habe keinen Schein in Umlauf gebracht“, so der Angeklagte.
Drogen, Waffen, Falschgeld – im Internet gibt es alles

Schaut man sich die Seite von Crime Network im abgeriegelten sogenannten Darknet an, traut man seinen Augen kaum. Dort werden allerlei Drogen angeboten, gefälschte Ausweise und Meldebescheinigungen, Falschgeld, Codein- und andere Tabletten, falsche Kreditkarten und Waffen. Die Seite ist inzwischen abgeschaltet. Andere Anbieter werden in die Lücke stoßen.

Im Darknet hatte der unter Panikattacken und Agoraphobie (Angst vor großen Plätzen, Angst das Haus zu verlassen) leidende Bursche auch seinen Drogenlieferanten kennengelernt.

Wegen seiner psychischen Störung war der 28-Jährige erwerbsunfähig. Also verlegte er sich auf Drogenhandel als Einnahmequelle. Von April bis Anfang Juli 2016 ließ er sich insgesamt knapp sechs Kilo Marihuana und 120 Gramm Kokain in seine Wohnung nach Neugereut liefern. Damit setzten er und ein Komplize mehr als 45 000 Euro um. Mehrere Drogenpäckchen wurden auch an eine Packstation der Post geliefert, die der Angeklagte mit gefälschten Post-Accounts angelegt hatte.

Dann kam er auf die Schnapsidee, auch mit Waffen Geld verdienen zu wollen. Als die Polizei Anfang Juli 2016 seine Wohnung in Neugereut durchsuchte, fand sie eine Kalaschnikov, einen Colt und Schreckschusswaffen.
28-Jähriger ist voll schuldfähig

Der Mann sei trotz seiner psychischen Störung nicht vermindert schuldfähig, sagt Vorsitzender Richter Rainer Gless. „Dafür ist dem Angeklagten im Tatzeitraum einfach zu viel gelungen.“ Es handele sich um komplexe Tatabläufe. Strafmildernd habe sich aber sein „wertvolles“ Geständnis ausgewirkt. Durch seine Aufklärungshilfe habe die Polizei beispielsweise seinen Komplizen festnehmen können. Trotzdem sei die Kammer über den Antrag des Staatsanwalts hinausgegangen. „Das Tatbild stellt sich ziemlich professionell dar“, so Richter Gless.

Wegen seiner Alkohol- und Drogensucht muss der 28-Jährige mindestens zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt verbringen.

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