Zollfahndungsamt: Zwei Pistolen, 500 Schuss Munition, 16 Wurfsterne – Waffennarr bediente sich im Darknet

Zwei Pistolen “Glock”, neun Millimeter und Kaliber 22, einen Schalldämpfer, fast 500 Stück Pistolenmunition, ein aktuell nicht funktionsfähiges Gewehr AK 47 sowie 16 Wurfsterne beschlagnahmten Ermittler des Zollfahndungsamts Essen bei einem 45-Jährigen in Mettmann.

Einen Waffenschein besitzt der Beschuldigte dafür allerdings nicht. Was genau er mit den Waffen wollte, dazu ließ er sich bisher nicht aus. Um mit dem Wurfstern zu trainieren, hatte der Mann im Keller seines Hauses eigens eine Zielscheibe montiert. Daneben hortete der Mann noch Dolche, Schwerter und andere Waffen, für die er allerdings keine Genehmigung benötigte, in seinen Räumlichkeiten. Gekauft hatte der Mann aus Mettmann, der selbst in der IT-Branche tätig ist, die Waffen und die Munition im Darknet, im Gegenwert von rund 2.000 Euro in der Darknet-Währung Bitcoins. Das ausgeklügelte Versteck für die beiden Pistolen befand sich in einem ausgehöhlten Wandregal über seinem Schreibtisch, in das er einen maßgeschneiderten Metallkasten eingebaut hatte, der direkt mit der Wand verbunden war. Das schwer zugängliche Versteck wurde erst durch Ziehen des Regalbretts nach vorn sichtbar.

Da der Beschuldigte bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten ist, bei der Durchsuchung seiner Wohnung kooperativ war und aufgrund seines Familienstands, seines festen Wohnsitzes und einer festen Arbeitsstelle keine Fluchtgefahr bestand, wurde kein Haftbefehl erlassen. Die weiteren Ermittlungen führt das Zollfahndungsamt Essen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wuppertal.

24-Jähriger wegen Volksverhetzung verurteilt

Er hetzte gegen Muslime und verdiente sein Geld unter anderem mit dem Vertrieb von Kinder- und Tierpornografie. Jetzt muss der 24-Jährige ins Gefängnis.

Computerbetrug, Pornografie und Volksverhetzung: Wegen Internetkriminalität und zahlreicher weiterer Straftaten ist ein 24-Jähriger in Nürnberg zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. „Bei diesen Taten bleibt einem die Luft weg“, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht am Mittwoch. Dem zuletzt im niedersächsischen Verden wohnenden Mann wurde unter anderem Computerbetrug und -sabotage, Volksverhetzung, Gewaltdarstellung, Verbreitung von Kinder- und Tierpornografie sowie das Ausspähen von Daten vorgeworfen.
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Der 24-Jährige hatte beispielsweise unterschiedlichste Dinge im Internet bestellt und an Menschen schicken lassen, die davon nichts wussten – von Schweine-Innereien über getragene Socken bis zu Gegenständen mit rassistischem Bezug und Chemikalien zum Bombenbau.

Vor allem einem YouTuber aus Franken hat er damit das Leben schwer gemacht. Der 24-Jährige setzte auch einen falschen Notruf ab und löste damit einen großen Polizei- und Feuerwehreinsatz bei dem Mann aus. Auch schickte er mit Verweis auf den YouTuber eine Bombendrohung an die Lufthansa und zeigte den Mann zu Unrecht wegen Vergewaltigung eines Kindes an. Der Angeklagte hetzte zudem gegen Flüchtlinge und Muslime und veröffentlichte Hinrichtungs-Videos. Es sei erschreckend, wie jemand andere Leute mobbt, beleidigt und ihre Existenz gefährdet, nur damit er selbst einmal kräftig lachen kann, sagte der Richter.

Bei dem Angeklagten handele es sich um einen neuen Typus von Straftäter, mit dem man jetzt umgehen müsse. Um Geld zu verdienen, hatte der 24-Jährige zahlreiche Elektrogeräte bestellt, die jedoch nicht bezahlt wurden und an andere Empfänger gingen. Dafür bekam er Provisionen. Über den anonymen Bereich des Internets („Darknet“) wurden diese Waren dann ins Ausland weiterverkauft. Der Mann sei zwar „nur ein kleines Rädchen“ in diesem System gewesen, „aber ohne die funktioniert es nicht“, sagte der Richter.

Noch vor Prozessbeginn im November hatten sich Gericht, Anklage und Verteidigung auf einen Strafrahmen verständigt, falls der 24-Jährige ein volles Geständnis ablegt. Dies hat er dann getan und somit den langwierigen Prozess drastisch verkürzt. Ursprünglich waren Termine bis Ende April 2017 geplant.

Das Darknet

Eine Reise in die digitale Unterwelt

Es ist eine dunkle Welt, in der man wissen muss, wie man verschlüsselt und anonymisiert im Internet unterwegs ist: das Darknet: Tummelplatz für Drogendealer, Waffenhändler und Kinderschänder. Aber auch Zufluchtsort für Journalisten, Whistleblower und politisch Verfolgte in vielen Ländern der Welt. Durch die immer umfassendere digitale Überwachung ist das Darknet für Menschen in immer mehr autokratisch regierten Ländern der Welt überlebensnotwendig. Annette Dittert hat sich auf eine Reise begeben, um die helle und dunkle Seite dieses digitalen Paralleluniversums kennen zu lernen. Sie trifft den Drogendealer, der im realen Leben ein 45-jähriger Familienvater ist; den Waffenhändler, der von Sonderermittlern der Polizei geschnappt wurde, nachdem er Fehler beim Versenden der Ware machte und den Mann, der Kriminellen mit seinem Fachwissen hilft, im Darknet mittels Verschlüsselung und Anonymisierung illegale Geschäfte abzuwickeln.

Das Darknet hat die kriminelle Unterwelt verändert. Aber auch die Gegenseite rüstet auf. Das BKA fahndet mit immer mehr verdeckten Ermittlern im verborgenen Netz, immer häufiger kommen sie vor allem Waffenhändlern der kriminellen Unterwelt auf die Spur, was die Szene deutlich verunsichert. In Istanbul trifft Annette Dittert den Journalisten Baris Pehlivan, dessen Computer von der türkischen Regierung mit einem Trojaner infiziert wurde, der belastende Dokumente auf seine Festplatte spielte. Der Journalist wurde daraufhin zu 19 Monaten Haft verurteilt. Erst als ein Computerspezialist den Trojaner fand, kam Baris Pehlivan wieder frei. Die syrische Journalistengruppe “Raqqa is being slaughtered silently” benutzt Darknet-Technologien, um über Gräueltaten in der IS-Hochburg zu berichten. Unterstützt werden solche Journalisten und Whistleblower von einer kleinen Gruppe digitaler Spezialisten, sogenannte “White Hat Hacker”. Annette Dittert trifft einen von ihnen, der sich noch nie vor Fernsehkameras begeben hat: Claudio Guarnieri. Seit Jahren ist er in der ganzen Welt unterwegs, um bedrohten Journalisten und Menschenrechtlern Nachhilfe in digitaler Sicherheit zu geben. In China erfährt Annette Dittert, dass das Darknet dort längst von Parteihackern eingenommen ist. Auf Island besucht sie eine Bitcoinfarm, wo die digitale Währung des Darknet in riesigen Rechnerfarmen “geschürft” wird. Fazit: Das Darknet ist einerseits die Heimat einer kriminelle Unterwelt, andererseits ist es aber auch ein letzter Freiraum und Zufluchtsort für viele Menschen in einer Welt, in der Regierungen Milliarden investieren, um ihre Bürger komplett zu überwachen. Annette Ditterts Recherchen im Darknet sind eine Reise durch eine neue Welt.

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