Immer mehr Drogendeals im Darknet Innenausschuss: Bericht und Debatte

Die extrem gesundheitsschädigende Droge Crystal Meth ist in Bayern offenbar auf dem Rückzug. „Wir können bei Crystal einen kleinen Erfolg verzeichnen“, sagte Innenstaatssekretär Gerhard Eck im Innenausschuss. Demnach setzt sich heuer der im vergangenen Jahr erstmals beobachtete Rückgang der Deliktszahlen in Zusammenhang mit Crystal fort. Wie Eck mitteilte, gab es 2014 3098 polizeilich registrierte Crystal-Aufgriffe, 2015 waren es 2851. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verzeichnete die Polizei nur mehr 1843 Fälle. Auf das Jahr hochgerechnet würde dies einen Rückgang um rund 20 Prozent bedeuten.

Nach wie vor wird die Droge überwiegend im Kleinhandel über die tschechische Grenze nach Bayern gebracht. Entsprechend hoch sind die Aufgriffe in der Grenzregion, vor allem im östlichen Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz. Auf diesen Bereich entfällt rund ein Drittel aller bayerischen Fälle.  Weiterer Schwerpunkt ist die Stadt Nürnberg. Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes erfolgt der Schmuggel nicht im Rahmen organisierter Kriminalität. Unverändert blieb in den vergangenen Jahren mit jeweils rund 20 die Zahl der Crystal-Toten. Diese ist heuer schon nach zehn Monaten erreicht worden.

Wie Eck indirekt einräumte, könnte der Rückgang der registrierten Crystal-Fälle Folge neuer Vertriebswege der Schmuggler sein. Nach Erkenntnissen der Polizei gewinnt die Drogenbestellung über das Darknet – einem verschlüsselten Bereich des Internet – mit anschließendem Postversand immer größere Bedeutung. Die Ermittler seien bei dieser Vertriebsform „momentan noch ziemlich machtlos“, erklärte Eck. Man arbeite aber an Lösungen. Auf alle Fälle werde man in Sachen Crystal den hohen Ermittlungs- und Fahndungsdruck sowie die vielfältigen Präventionsmaßnahmen „unvermindert aufrechterhalten“. Die Kooperation mit Tschechien soll weiter intensiviert werden.

Der SPD-Innenpolitiker Peter Paul Gantzer forderte, harte Drogen wie Crystal müssten hart bekämpft werden. Zudem müsse sich der Blick verstärkt auf Designerdrogen und so genannte „Legal Highs“ richten. Diese legal erhältlichen Stoffe seien die neuen Einstiegsdrogen, warnte Gantzer. Um sich in der Polizeiarbeit darauf konzentrieren zu können, sollte im Gegenzug der Cannabis-Konsum entkriminalisiert werden. Immerhin habe es weltweit noch keinen bestätigten Cannabis-Toten gegeben. „Lieber hasch-high als Legal High“, erklärte Gantzer.

“Jugendliche in den Grenzregionen erzählen, dass es kein Problem ist, an Crystal zu kommen”

Manfred Ländner (CSU) stellte fest, dass die von Eck präsentierten Zahlen den Erfolg der Maßnahmen zur Crystal-Bekämpfung belegten. „Die hohen Steigerungsraten vergangener Jahre gibt es nicht mehr, wir erleben sogar einen leichten Rückgang der Fallzahlen“, betonte Ländner. Damit dürfe man sich aber nicht zufriedengeben. Ländner verlangte, die Drogengesetze zu aktualisieren, damit auch neuartige Stoffe von einem Verbot erfasst seien. „Wir dürfen nicht entkriminalisieren, sondern müssen das Verfolgungsspektrum ausweiten“, sagte der CSU-Polizeiexperte.

Nach Einschätzung von Katharina Schulze (Grüne) hat sich die Lage bei Crystal noch nicht entspannt. Sie verwies auf die unvermindert hohe Zahl an Konsumenten und Crystal-Toten. Die Polizei müsse ihr Augenmerk verstärkt auf neue Schmugglerrouten und Vertriebswege legen. Ungeachtet dessen zeige das Problem Crystal erneut: „Repression reicht nicht, wir brauchen mehr Prävention.“ Auch Joachim Hanisch (Freie Wähler) sah kaum Fortschritte. „Jugendliche in den Grenzregionen erzählen mir immer wieder, dass es kein Problem ist, an Crystal zu kommen“, berichtete Hanisch aus seiner ostbayerischen Heimat. Insofern müssten die polizeilichen Maßnahmen wie auch die Kooperation mit Tschechien bezüglich ihrer Wirksamkeit kritisch hinterfragt werden.

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Pharmaziestudent als Drogendealer

Hörsaal und Darknet: In Wien soll ein Pharmaziestudent mit Drogen gehandelt haben.Foto: Elke Hinkelbein
Berlin – In Wien ist ein Pharmaziestudent festgenommen worden, der im Darknet illegale Drogen verkauft hat.

Der 19-jährige gebürtige Deutsche war den Behörden als Powerseller im Darknet aufgefallen. Er soll vorwiegend mit LSD, Magic Mushrooms, Cannabis-Samen, Codein sowie rezeptpflichtigen Arzneimitteln deutscher, spanischer und russischer Herkunft gehandelt haben. Wie im Darknet üblich, wurde mit Bitcoins bezahlt; verschickt wurde die Ware mit der Post.

Am 8. November wurde der Student in Wien festgenommen. Er soll seit April 2015 unter dem Benutzernamen „Hedon“ knapp 1800 Beiträge gepostet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass nahezu alle Transaktionen auch abgeschlossen wurden.

Bei der Hausdurchsuchung wurden zwei Reisetaschen und zwei Kartons mit Rauschdrogen sichergestellt. Der Student sitzt in Untersuchungshaft.

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Auf Shoppingtour im Darknet

Drogenkäufer wie Lars B. (Name geändert) nutzen das sogenannte Darknet für ihre Einkäufe so selbstverständlich, wie andere das Internet. In diesem verschlüsselten Paralleluniversum werben Onlineshops für Haschisch, Kokain, Waffen und Sprengstoff, als wären es Jacken oder Schuhe.
Ein Stuhl, ein Tisch und ein Computer. Davor sitzt Lars B., ein etwa 30-jähriger Mann aus Dortmund und klickt sich in das Darknet. Mehr als einen speziellen Browser und das entsprechende Know-How braucht er dafür nicht. Draußen regnet es in Strömen, hier im Wohnzimmer ist es warm. Und hier gibt es weder dunkle Gestalten noch Zivilpolizisten. Das Risiko, beim Drogenkauf auf der Straße erwischt zu werden, das will er umgehen.  “Lieferung frei Haus, besser geht es ja nicht”, sagt er. Lars B. will Haschisch kaufen, sein Vorrat ist verbraucht.
Medienberichte über Darknet offenbar mit Werbeeffekt
“Das Attentat in München war der Auslöser für mich, mich mal aktiv mit dem Darknet zu beschäftigen. Ich habe nur sehr kurze Zeit gebraucht, um mich in die Sache einzuarbeiten und hätte sofort alles kriegen können”, erklärt Lars B.. Der Attentäter von München hatte sich seine Pistole, eine österreichische Glock, über das Darknet beschafft. Wochenlang ging das Thema durch die Medien, offensichtlich mit einer Art Werbeeffekt für das verschlüsselte “dunkle Netz” innerhalb des world wide web.
Was mit “Alles” gemeint ist, das wird Sekunden später auf dem Bildschirm sichtbar. Der Mann am PC klickt sich in einen speziellen Shop. Allein in diesem Shop gibt es 166.000 Angebote für Drogen jeder Art, 2.500 Waffen, Sprengstoff, gehackte Kreditkarten, falsche Pässe. Sogar Cyberangriffe gegen Unternehmen kann man hier kaufen oder Sex für Geld. Ein Kilo Kokain für 27.000 Euro, eine israelische Maschinenpistole für 2.900 Euro. Die Waffe des Attentäters von München wird in diesem Shop für 3.900 Euro angeboten, inklusive Schalldämpfer.
Shopping-Struktur wie in der bekannten Internet-Welt
Der Shop unterscheidet sich kaum von Amazon oder Ebay. Es gibt Bewertungen für Verkäufer und sogar eine Bezahlung auf ein Treuhandkonto. Die virtuelle Währung Bitcoins wandert von dort erst dann zum Verkäufer, wenn der Dortmunder Haschischkäufer den Eingang der Ware bestätigt.
Fünf Gramm Haschisch für 47 Euro. Klick, die Adresse wird abgefragt und mehrfach verschlüsselt an den Darknetshop geleitet. “Ich bin ein viel zu kleiner Fisch, ich glaube fest daran, dass ich zu klein bin, um in irgendwelchen Maschen hängen zu bleiben”. Der Mann ist kein einfacher PC-Nutzer, eher ein Freak, der sich selbst das Hacken beigebracht hat. Ganz so einfach ist das alles nicht. Die entscheidende Frage: Funktioniert das wirklich? Kommt die Post mit der Lieferung oder die Polizei mit Drogenhunden?
Gut und böse werden gleich geschützt
Katharina Kohls von der Ruhruniversität BochumKatharina Kohls, Ruhr-Universität Bochum, Spezialistin für Anonymität im Internet
Der Mann am Computer fühlt sich sicher. Kann er auch, sagen die Darknetexperten der Ruhr Universität Bochum. Genau diese Sicherheit im Netz ist ihr Job. Katharina Kohls ist Spezialistin für Anonymität im Internet. “Es ist natürlich schön, wenn es Leute schützt, die gute Dinge tun, wie Whistleblower oder Menschenrechtler, die sehr wichtige Informationen teilen, die die Welt sehen muss. Das Problem ist immer, dass es gleichzeitig Leute schützt, die illegale Dinge tun und deshalb wollen sie anonym bleiben. Wenn ich die Guten beschütze, beschütze ich gleichzeitig die Bösen. Das ist der Nebeneffekt”.
Theoretisch gibt es eine Methode, ein illegales Geschäft im Darknet aufzudecken. 7.000 bis 8.000 Computerserver verteilt auf der ganzen Welt bilden das Darknet. Würden die Datenströme an all diesen Servern mitgeschnitten und dann miteinander verglichen, ließe sich ein Dealer oder Waffenhändler identifizieren. Dafür müsste die Polizei aber länderübergreifend mit unzähligen Darknetexperten gleichzeitig an jeder einzelnen Zielperson arbeiten. “Ich weiss nicht, über welche Ressourcen die Polizei verfügt, aber ich vermute, dass es nicht genug sind”, sagt Katharina Kohls.
Zentrum der Polizei für Cybercrime
Dirk Kunze ist Dezernatsleiter beim LKADirk Kunze ist Dezernatsleiter beim Landeskriminalamt
Trotzdem spricht das Landeskriminalamt von Ermittlungserfolgen. Darüber könne man aber aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen. Hier im Zentrum für Cybercrime in Düsseldorf arbeiten 100 Beamte ausschließlich im Internet. Das Darknet ist nur ein Teil der hier hin verlagerten Kriminalität und der schwierigste. Das liegt nicht nur an den Verschlüsselungen. “Internetkriminalität ist internationale Kriminalität”, erklärt LKA Dezernatsleiter Dirk Kunze. “Diese 7.000 Server des Darknet sind weltweit verteilt. Da hilft es wenig, mit einer deutschen Strafprozessordnung eine Maßnahme treffen zu wollen. Das sind die Grenzen, an die wir stoßen. Wir müssen dann mit Rechtshilfeersuchen arbeiten”.
In der Praxis heißt das: Soll ein Server zum Beispiel in den Niederlanden ausgehoben werden, dann kann es sein, dass die Daten gar nicht dort liegen, sondern in einer Cloud eines Anbieters in einem anderen Land und schon sind die Ermittler ausgebremst. Bis diese internationale Zusammenarbeit rechtlich geregelt ist, darf sich der Dortmunder Drogenkäufer sicher fühlen. Es sei denn, der Darknetshop lässt ein Datenleck zu, macht also einen Fehler, der von den Ermittlern bemerkt wird. Ermittlungserfolge hat die Polizei auch schon durch Scheinkäufe erzielt.
Datenlecks und Scheinkäufe helfen der Polizei
Zwei Tage später bekommt Lars B. Post. Fünf Gramm Haschisch packt er aus, vakuumverpackt, wegen des starken Geruchs. Es funktioniert also, die Droge ist angekommen, die Polizei nicht. Noch nicht, sagt LKA Mann Kunze: “Er mag sich vielleicht als kleiner Fisch sicher fühlen, aber wenn wir uns mit dem großen Fisch beschäftigen, wird er als kleiner Fisch im Netz hängen bleiben und wir werden auch ihn verfolgen”.

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Der große Haken bei Zcash (ZEC)

Zcash machte ein hollywood-gleiches Debut unter den digitalen Währungen. Zunächst war die neue Kryptowährung mehrere Bitcoins wert und verunsicherte damit den Großteil der Community. An vielen Stellen wird ZEC als “die” neue tolle, private Kryptowährung gefeiert, die keiner nachverfolgen kann. Doch es gibt einen Haken, einen Zweifel der alles einbrechen lassen könnte.

Ich verfolge Zcash schon einige Monate. Einerseits um zu schauen, ob sich da eine Technologie entwickelt die ich unterstützen kann, andererseits um zu schauen, ob sich hier ein neues Zugpferd à la Bitcoin oder Ethereum entwickelt. Der nachfolgende Artikel stellt meine Sicht der Währung ZEC und des Teams um Zcash dar. Die Aussagen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert worden, doch können kleinere Fehler nie ausgeschlossen werden.

Vertrauen

Kryptowährungen sind unter anderem aus dem Grund so interessant, als das sie kein Vetrauen benötigen. Ein riesiges Blockchain-Netzwerk wie beim Bitcoin trägt sich selbst. Solange die Mehrheit an der “ehrlichen” Blockchain weiter schürft, solange ist die Richtigkeit der Transaktionen zwischen Millionen Teilnehmern gewährleistet. Doch hier liegt nicht das Problem, das Problem liegt weiter zurück. Ganz am Anfang.

Ethereum Kopf & Entwickler Vitalik Buterin schrieb in diesem Tweet:

“Was ist ‘wirklich’ sicherer: das, oder 5 Leute inklusive 2 anonyme Darknet-Marktplatz Operatoren die ihre Software auf ihren Laptops ausführen?”

Dieser Post bezieht sich auf die zahlreichen Anstrengungen die Bitcoin Core Developer Peter Todd aufgenommen hat, um die Zcash Zeremonie durchzuführen. “Zcash Zeremonie?”. Es geht um die Zeremonie, die den Grundstein für die Währung ZEC legen sollte. Halten wir uns diesen Tweet im Hinterkopf und fangen wir bei null an.

Zcash Trusted Setup

Kurz vor dem Launch stieß ich auf Greg Slepaks Blog-Post über den sogenannten Zcash-Trusted-Setup. Slepak ist Experte für Kryptographie und äußerte seine Meinung bereits zu anderen Kryptowährungen. Dieser Setup ist “für Zcash” notwendig gewesen, um die Grundlage zu bilden. Slepak erklärte, dass für den Setup 6 verschiedene Leute gebraucht werden, die eine Software auf ihren Laptops ausführen müssen. Diese Software generiert nebenbei sogenannten “cryptographic toxic waste” oder “kryptografischen Giftmüll”. Dieser “Müll” besteht aus Daten die beim Ausführen der Software aufgetreten sind. Zcashs Versprechen: Sollte mindestens einer der Teilnehmer ehrlich und aufrichtig sein und es geschafft haben die Generierung vernünftig abzuschließen, dann ist Zcash sicher!

Vitalik Buterins Tweet bezieht sich genau auf diese Situation. Sechs Teilnehmer, wovon zwei bisher unbekannt geblieben sind führen Software aus, die zur Generierung eines Teilschlüssels dient, der nachher zur Generierung des ZEC Genesis Masterkey genutzt wird.

Kalkuliertes Risiko

Was kann also passieren wenn etwas “daneben” geht? Nun der Fokus liegt von Zcashs Seite hauptsächlich auf der Unwahrscheinlichkeit, dass die Teilnehmer der Zeremonie nicht alle schädliche Absichten haben. Aber was wenn jemand den kryptografischen Giftmüll abfängt, die Puzzle-Stücke zusammen setzt und die Kontrolle über Zcash bekommt?

Die Transaktionen wären dennoch sicher. Keiner könnte offenbart werden, aber der Angreifer könnte etwas viel verheerenderes anstellen: endloses genererieren neuer ZECs. Auf Reddit trösteten sich einige damit, dass zumindest ihre Privatsphäre/Sicherheit gewährleistet sei. Ich vergleiche das mit jemanden der einen Autounfall überlebt hat und “nur” ein Bein verloren hat. Natürlich lebt man noch, aber eingeschränkter.

Durch die Sache mit der hohen Datensicherheit kann man nichtmal feststellen, “ob” jemand neues Geld druckt! Es gibt keinen Mechanismus um festzustellen, wie viele ZEC im Umlauf sind. Der Markt wird davon nichts sofort merken. Wer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, was ein Angreifer mit einer Kryptowährung als Waffe anstellen könnte. Völlig geheime Zahlungen. Eine eigene Geldpresse für “dreckige” Geschäfte. Die neue Währung für eine radikale Truppe mit schwarzer Flagge und ihren (Öl)-Unterstützern?

Damit wir also Zcash völlig Vertrauen können müssen wir nicht nur den Teilnehmer der Zeremonie “vertrauen”, wir müssen ihnen auch noch insoweit “vertrauen” als dass sie klug genug waren sich gegen alle Abhör- und Überwachungsversuche durchzusetzen. Das sind für mich zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Natürlich kann ich durch Sympathie und Einsatz einer Person ein gewisses Vertrauen herstellen. Jemand der selber stark investiert ist, dem rechne ich vielleicht eine niedrigere Chance zu ein Betrüger zu sein. Aber es ist eine völlig andere Sache in dieser Person einen “Edward Snowden” zu sehen, der vor den Geheimdiensten fliehen kann.

Der Bruch

Nach einiger Recherche fallen einem einfach Dinge auf, die man nicht mit einer wirklich “dezentralen” Währung verknüpft. Das schwierige Problem des Vertrauens erstmal außen vor (es gibt übrigens Ansätze den Genesis Block zu generieren die kein Vetrauen erfordern).

Die Zcash Electric Coin Company ist eine For Profit Gesellschaft mit Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika. Als Europäer beäugt man amerikanische Datensicherheit sowieso etwas kritischer. Ich betrachte trotz des DAO-Hardforks die Ethereum Stiftung in der Schweiz als vertrauenswürdigeres Vorbild.

Warum wird die Zeremonie nicht vorher öffentlich gemacht? Natürlich würde man potenziellen Angreifern eine Vorbereitungschance geben. Man nennt dieses Abschotten Security through obscurity. Aber so führt dies dazu, dass sich die Teilnehmer nicht einmal über die Gefahren bewusst werden. Es heißt ja “Zeremonie” weil eine “Zeremonie” nichts anderes als eine vorher abgestimmte Abfolge von Handlungen ist. Eine Zeremonie soll Sicherheit geben, jeder Handgriff ist durchdacht und geplant. Eine Veröffentlichung in der Community hätte so viele kritische Augen auf dieses Thema gebracht… aber vielleicht eben auch Zweifel an der Sache an sich – “Warum ist überhaupt Vertrauen notwendig?”.

Der “best case” bei einem geschehenen Angriff wäre übrigens, wenn ein Schaden durch “falsche” ZEC-Generierung auftritt und es jemand merkt. Der “worst case” besteht darin, dass es bis ans Ende aller Tage niemandem auffällt. Alleine dieser eine Zweifel würde für mich als Zcash-Nutzer so viel Unbehagen hervorrufen, dass ich nicht sagen kann, ob ich Zcash wirklich benutzen würde. Ich will die Währung hier nicht diskreditieren, nur wir reden hier über Geld und wenn ich ein Konto eröffne oder Aktien kaufe, dann werde ich vorher über mögliche Konsequenzen und Risiken aufgeklärt. Bei ZEC ist das einfach nicht der Fall (oder durch den medialen Hype kaum merklich).

Dinge die mich mehr als stutzig gemacht haben

Würde ich alles im Detail erklären, müsste ich wahrscheinlich drei Artikel à 1000 Wörter schreiben. Ich denke aber, dass die grundlegenden Stolpersteine kürzer gehalten werden können. Fassen wir also zusammen und fügen wir weitere Fragen hinzu:

Warum musste ein Trusted Setup für die Etablierung von Zcash genutzt werden?
Warum wurde der Ablauf der Zeremonie nicht vorher mit der Community geteilt? Welche Gründe sprachen für eine Abschottung?
Warum ist die Anzahl der Teilnehmer so gering? (Sechs Teilnehmer, aber Millionen Menschen die diesen “Sechs” und “ihren Fähigkeiten” Vertrauen sollen)
Peter Todd wurde von Zcash Gründer Zooko Wilcox zunächst über unverschlüsseltes Twitter angeschrieben, danach über Signal. Es ging um die Frage, ob Todd an der Zeremonie teilnehmen möchte. Über Signal wollte Wilcox für Wochen nicht seine Signatur bestätigen (und damit beweisen, dass er wirklich Wilcox ist). Warum dauerte das Wochen? Warum musste Todd erst aufhören zu antworten, bis Wilcox diesen mehr als einfachen Schritt machte?
Welche Sicherheiten gibt es für die Zeremonie, dass Person X wirklich Handlung Y am Zeitpunkt Z ausgeführt hat?
Die Bundesregierung will die Überwachung von WhatsApp und Co. Müssten Nationalstaaten nicht als potenzielle Angreifer dieser Währung gesehen werden?
Todd hat mit seinem Blog-Post wirklich einen guten Beitrag zur Aufklärung der Zcash Zeremonie beigetragen. Warum gibt es keine Informationen der anderen Teilnehmer?
Todd schaltete sein Handy in den Flugmodus und umwickelte es sogar mit Alufolie (nachzulesen in seinem Blog-Post). Während seiner Reise Richtung Kanada kündigte er an zwischenzeitlich in Funkstille überzugehen. Nachdem er wieder mit dem Netz verbunden war, wurde er in einem Gruppenchat von Wilcox gefragt wo er so lange blieb. Gruppenchat? Wie gut sind die anderen Gruppentmitglieder mit ihrer Sicherheit umgegangen? Warum scheint eine Funkstille einfach so “vergessen” zu werden?
Todd hat sich sehr stark darum bemüht neue Hardware an zufälligen Stellen mit Bargeld zu kaufen. Dieser Schritt dient zur Prävention gegen Hardware-Backdoors, aber wie sicher können wir sein, dass die anderen Gruppenmitglieder ebenso “paranoid”-vorsichtig vorgegangen sind?
Die Software wurde auf eine DVD gebrannt. Niemand konnte in die Daten dieser DVD zuvor hineinschauen. Wurde diese DVD unabhängig untersucht? Was wenn die DVD auf einem Rechner gebrannt wurde, der eine Backdoor besaß?
Sind alle Zeremonie-Mitglieder innerhalb der sogenannten Five-Eyes geblieben? Studien des Europaparlament haben die massive Überwachung von Kommunikationsmedien dieser Staaten festgestellt. Was wurde gegen eine mögliche Überwachung unternommen?
Die Liste geht weiter. Viel weiter…

Natürlich könnte man die ganze Geschichte kürzen und bereits an dem Punkt des Vertrauens sagen: “Ich soll fünf Leuten vertrauen (ein mögliches Milliardengeschäft völlig selbstlos ins Leben zu rufen)? Das mache ich nicht!”.

Und manche Leute machen das auch. Ich habe nur mal geschaut welche anderen Reibungspunkte, außer dem Vertrauen, entstanden sind. Also zurück zu Vitalik Buterins Tweet. Was ist nun sicherer? Peter Todds paranoide Irrfahrt oder sechs Leute inklusive 2 Schwarzmarkt-Operatoren? Keines von beiden. Beides ist unüberwacht, ungeplant und bietet keine Sicherheiten, aber fordert Vertrauen. Todd hat zwar eine Menge Arbeit geleistet, doch wir dürfen nicht vergessen, es geht nicht nur darum, dass sich die Leute nichts vom Löwenanteil klauen. Es geht auch darum, dass diese Menschen unter potenzieller (staatlicher) Überwachung standen.

Ich bin gespannt was das Zcash-Team demnächst noch auf die Beine stellen wird. Ich selbst werde mir das aber nur von außen angucken. Nicht weil ich Wilcox oder Zcash nicht mag, sondern weil die Möglichkeiten für Nachrichtendienste einfach so immens sind. Eine Chance von 0,1% betrogen zu werden ist immer noch größer, als dem Angreifer keine Chance zu lassen.

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“Blüten” aus dem “Darknet”
Weil er gefälschte 20-Euro-Scheine in Umlauf brachte, wird ein 29-jähriger Gelnhäuser jetzt zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

GELDFÄLSCHUNG 29-jähriger Gelnhäuser bringt falsche 20-Euro-Scheine in Umlauf / Strafe: Sechs Monate auf Bewährung

GELNHAUSEN – (az). Dieser “Amigo Fritz” war nun wirklich kein Freund: Bei einem gleichnamigen Online-Shop-Betreiber hat ein 29-jähriger Gelnhäuser im Januar 2015 insgesamt 15 falsche 20-Euro-Scheine gekauft und die dann mit Freunden in Frankfurt unters Volk gebracht. Knapp zwei Jahre später holte ihn diese vermeintliche Jugendsünde wieder ein. Im Amtsgericht Gelnhausen wurde er am Dienstag wegen Geldfälschung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Den Weg zu “Amigo Fritz” hatte der Angeklagte ganz bewusst gewählt: Der Online-Shop existiert nämlich im so genannten “Darknet”, eine Art Parallel-Internet, das nur über eine spezielle Software zu erreichen ist. Dort gibt es dann alles Mögliche zu kaufen, was auf einem legalen Markt nicht angeboten wird – unter anderem offenbar auch Falschgeld. “Da gibt’s wirklich alles”, habe ihn der Gedanke gereizt, dort etwas zu kaufen, so der 29-Jährige. Allerdings habe er nicht damit gerechnet, dass die Scheine auch wirklich geliefert werden.

Keine Bagatelle

Doch nach der Überweisung des Kaufpreises in Höhe von 120 Euro an “Amigo Fritz” klingelte wenig später der Paketbote eines bekannten Lieferdienstes an seiner Haustür und stellte die Express-Lieferung zu. “Stinkt wie die Pest, aber fühlt sich echt an”, konnte der Gelnhäuser in der Verhandlung allerdings keinen Schein mehr vorführen, denn die waren längst alle weg. Mit Freunden habe er sich mit dem Geld einen schönen Abend in einer Shisha-Bar in Frankfurt gemacht, den Rest auf dem Heimweg mit kleineren Einkäufen gegen echte Scheine “eingetauscht”.

Was da noch Spaß machte, wurde jetzt vor dem Schöffengericht deutlich weniger lustig: Beim Geld hört für den Staat nämlich der Spaß auf: Auf Währungsfälschung steht eine Mindeststrafe von einem Jahr. Im Fall des Gelnhäusers gingen die Prozessbeteiligten allerdings von einem minderschweren Fall aus, da er seitdem zumindest in Sachen Geldfälschung nicht mehr auffällig wurde. Im Januar dieses Jahres war er jedoch bereits zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen á zehn Euro verurteilt worden, weil er Drogen verkauft hatte.

“Keine Bagatelle”, so die Einschätzung von Richterin Petra Ockert zum Einkauf des 29-Jährigen im “Darknet”. An einer Freiheitsstrafe ging dieses Mal kein Weg vorbei. Die sechs Monate werden für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, außerdem muss der Gelnhäuser auch noch 300 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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