Hier holte sich Ali David S. seine Waffe: So funktioniert das ominöse „Darknet“

Auftragsmörder, Händler von Waffen, Drogen, Geldfälscher, Betrüger, Nazis: Sie alle tummeln sich völlig anonym im Internet. Denn es gibt eine dunkle Parallelwelt des Netzes. Eine Welt, in der jeder unidentifizierbar ist, auch für die NSA. Das „Darknet“.
Eine Einkaufstour auf der „Silk Road“, einem Untergrundmarkt im Darknet. Was darf es denn sein? Ein Gramm pures Kokain? Coffee Shop-Gras aus den Niederlanden?

Ein paar Klicks weiter wird Kinderpornografie gehandelt. Nebenan, im „Black Market Reloaded“, gäbe es auch Maschinengewehre oder halbautomatische Pistolen im Angebot. Ganz selbstverständlich wie Bücher auf Amazon im normalen Internet.
Im „Hitman Network“, einer weiteren dunklen Seite, bietet ein dreiköpfiges Team sogar Auftragsmorde in den USA und Europa an. Kosten: 10.000 US-Dollar für ein amerikanischen Ziel, 2000 US-Dollar mehr für ein europäisches. Einzige Regel: Keine Kinder unter 16 und keine Top-Ten-Politiker.

Für die Anbieter der illegalen Dienste und Geschäfte ist das Risiko gering. Sie bleiben unerkannt, dank „Onion-Routing“ (von englisch Onion = Zwiebel).

Diese Variante des Darknets funktioniert recht einfach: Sie verschleiert die IP-Adresse des Nutzers, die im normalen Netz bei jeder Aktivität mitgesendet wird und es leicht macht, den Urheber zu identifizieren.
Beim Onion-Routing wird das Signal über verschiedene wechselnde Server, sogenannte Knotenpunkte, geschickt, bis es nicht mehr zurückzuverfolgen ist. Zwar ist dann noch zu erkennen, was gerade im Netz geschieht, aber nicht, wer es tut.
Die Spurensuche im Darknet ist mühsam
Ausname: Wenn der Nutzer im Darknet Benutzernamen, Passwörter und Mailadressen verwendet, die aus dem „normalen“ Netz mit ihm in Verbindung gebracht werden können.
Eine Möglichkeit für die Polizei, den Verbrechern im dunklen Netz auf die Schliche zu kommen, wie Michael Mahnke vom LKA Niedersachsen in der Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ erklärt: „Jeder Mensch hat sich, bevor er im Darknet tätig ist, auch schon im Internet bewegt, hat irgendwo Datenspuren hinterlassen. Die versuchen wir zu finden.“
Über den Handel auf den Untergrundmärkten selbst an die Dealer zu kommen, ist schwer. Denn die Geschäfte werden meist in „Bitcoins“ abgewickelt, einer digitalen Internetwährung, die kaum Spuren hinterlässt.

Polizei kämpft gegen Untergrund
Die Polizei versucht, mit Lockangeboten Drogen- oder Waffenkäufer zu überführen. Denn die illegale Ware kommt per Post – der Käufer muss also eine Lieferadresse angeben.
So kann es vorkommen, dass statt dem Postboten die Polizei klingelt – auch wenn die Ware möglichst unauffällig verpackt war. Oder aber im Päckchen kein Koks sondern Backpulver ist, oder eine Spielzeugwaffe statt der tödlichen Pistole.
Oder der Auftragskiller tut einfach nichts, außer Geld zu kassieren. Denn auch Betrüger sind im Darknet unterwegs. Ihre „Opfer“ können schlecht zur Polizei gehen.
In dem Fall aus Bayern war es jedenfalls der rege Paketverkehr, der die Beamten auf die Spur eines 24-Jährigen aus dem Landkreis Deggendorf brachte. Er und seine Komplizen nutzten eine DHL-Packstation nahe der niederländischen Grenze, um Drogen für Kunden zu deponieren und sich Geld aus dem Umtausch von Bitcoins schicken zu lassen.
Eigentlich sollte Darknet freie Meinung schützen
Entwickelt wurde das Darknet nicht für Kriminelle: „Das Darknet soll eigentlich Leuten, die in totalitären Regimen leben oder verfolgt werden die Möglichkeit geben, sich zu informieren und auch mit der Welt zu kommunizieren. Dafür wurde es zum Beispiel beim arabischen Frühling genutzt“, erklärt Julius Mittenzwei (35) vom Chaos Computer Club Deutschland.
Der Club betreibt einen der größten „Tor“-Knotenpunkte Deutschlands. „Tor“ ist ein Anonymisierungsdienst, der mit einem kostenlosen Programm seit 2002 den Zugang zum Darknet ermöglicht. Ganz legal, denn anonym surfen ist nicht verboten.
Ist das Programm installiert, kann man normale Seiten anonym nutzen. Seiten wie die Silk Road sind nur mit einem speziellen Code aufzurufen.

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