Nach Silk Road: Drogenhandel im Darknet wächst kontinuierlich

Zahlreiche Plattformen verkaufen im Darknet illegale Drogen. Deren Umsatz nimmt einer Studie zufolge zwar zu. Doch der Anteil am gesamten Markt ist verschwindend gering.

Welche Bedeutung hat das Internet für den Handel mit Drogen? Angesichts zahlreicher Berichte über Online-Handelsplattformen wie Silk Road oder Spekulationen über die intensive Nutzung des Darknet durch Kriminelle kann der Eindruck entstehen, dass sich der Drogenhandel bereits substanziell ins Netz verlagert hat. Eine Studie der Rand Corporation widerlegt eine solche Auffassung. “Trotz Eingriffen von Ermittlungsbehörden und betrügerischen Geschäftsaufgaben (exit scams) von Handelsplattformen haben Kryptomärkte überlebt”, heißt es in der 200-seitigen Untersuchung (PDF). Dennoch stellten sie nur eine kleine Nische im gesamten Drogenhandel dar.
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Es gebe bei den Handelsplattformen eine ständige Fluktuation. Für die Studie seien 50 existierende Plattformen und Einzelverkaufsshops im versteckten Netz untersucht worden, wie sie beispielsweise die Seite drogenkaufen.com auflistet. 19 der untersuchten Plattformen führten mehr als 400 Artikel. Die drei größten, Alphabay, Nucleus und Dreammarket, enthielten rund zwei Drittel aller angebotenen Waren und Dienstleistungen. Nucleus ist im April 2016 jedoch unter ungeklärten Umständen aus dem Netz verschwunden. Kennzeichnend für Kryptomärkte ist der Zugang über Anonymisierungstools wie den Tor-Browser und die Zahlung mit Kryptowährungen wie Bitcoin.
Kein explosives Wachstum

Die Autoren der Studie schätzen den Umsatz der Kryptomärkte mit Drogen auf 12,6 bis 18,7 Millionen Euro im Monat. Verglichen mit den zwei Milliarden Euro Umsatz im Offline-Drogenhandel bedeutet das einen Anteil von weniger als einem Promille. Seit der Blütezeit von Silk Road im Jahr 2013 hätten sich die Umsätze auf Kryptomärkten verdoppelt, die Gesamtzahl der Transaktionen verdreifacht. Dennoch könne man nicht von einem “explosiven”, sondern eher “kontinuierlichen” Wachstum sprechen. Silk Road war im Oktober 2013 von der US-Bundespolizei FBI abgeschaltet worden. Sein Gründer Ross Ulricht wurde im Mai 2015 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die weitaus größte Zahl der Verkäufer stamme aus den USA (890). Es folgten Großbritannien (338), Deutschland und die Niederlande (beide 225), Australien (185) und Kanada (146). Der Schwerpunkt der Verkäufer liege damit in den angelsächsischen Ländern und Westeuropa, hieß es. Der Verkauf von Cannabis mache mit 31 Prozent den größten Anteil am Umsatz aus. Es folgten Aufputschmittel wie Kokain und Amphetamine mit 24 Prozent und Ecstasy-artige Substanzen mit 16 Prozent. Psychedelische Drogen (8 Prozent) oder Opioide wie Heroin (6 Prozent) machten nur einen geringen Anteil aus. Letzteres führen die Autoren darauf zurück, dass Einkäufe auf Kryptomärkten eine gewisse Planung voraussetzten. Das sei nicht mit den Beschaffungsgewohnheiten von Heroinabhängigen vereinbar.
Größere Auswahl im Darknet als Motiv

Was die Drogenkäufer im Darknet betrifft, so sind sie ebenso wie die Verkäufer meist junge, technikaffine Männer aus den angelsächsischen Ländern und Westeuropa. Als Gründe für den Drogenkauf im Internet geben sie an, dass der Einkauf sicherer und günstiger sei und es eine größere Auswahl gebe. Um Vertrauen zwischen Verkäufern und Käufern aufzubauen, sei das Feedback auf den Plattformen wichtig.

Drogen würden aber nicht nur auf Kryptomärkten, sondern durchaus auch im “normalen” Netz angeboten. Das gelte vor allem für sogenannte neue psychoaktive Substanzen (NPS). Solche Stoffe werden zum Teil als “Badesalze” vermarktet.
Darknet leicht zugänglich

In den vergangenen Wochen wurde in Deutschland verstärkt über die Bedeutung des Darknet für Kriminelle diskutiert. Hintergrund war jedoch nicht der Verkauf illegaler Drogen, sondern die Tatsache, dass der Amokläufer von München sich seine Tatwaffe im Darknet besorgt haben soll. “Die illegalen Foren oder Marktplätze der digitalen Underground Economy spielen eine zunehmend zentrale Rolle bei der Begehung von Straftaten im Bereich Cybercrime”, heißt es im Lagebild Cybercrime 2015 des Bundeskriminalamtes (BKA).

Zusätzlich würden insbesondere im Darknet kriminelle Marktplätze betrieben, auf denen illegale Waren erworben werden könnten. Die Angebote umfassten demnach Drogen, Waffen, Falschgeld, gefälschte Ausweise, gestohlene Kreditkartendaten oder gefälschte Markenartikel. Zur Bezahlung würden ausschließlich digitale Kryptowährungen akzeptiert. Die Foren und Marktplätze im Darknet seien weltweit und ohne tiefergehende Computerkenntnisse erreichbar.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte am Donnerstag in Berlin an, dass sich die Behörden künftig mit “spezialisierten verdeckten Ermittlern (‘Cyber-Ermittler’) besser aufstellen, um im ‘darknet’ gezielt etwa illegalen Waffenhandel oder Kommunikation zwischen Terroristen aufzuklären”.

Für die Verfolgung von Kriminellen im sogenannten Darknet plant Bundesinnenminister Thomas de Maizière den Einsatz verdeckter Ermittler.

Die Spezialisten sollen gezielt etwa illegalen Waffenhandel oder Kommunikation zwischen Terroristen aufklären, wie der CDU-Politiker in Berlin sagte. Hierfür will de Maizière die Zusammenarbeit mit Behörden aus den Bundesländern verbessern. Das Darknet ist ein Teil des Internets, in dem sich Nutzer nahezu komplett anonym bewegen können, was auch Kriminelle ausnutzten.

De Maizière kündigte darüber hinaus die Schaffung einer zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, kurz Zitis, an. Dort soll dem Minister zufolge an der Forschung und Entwicklung neuer Methoden, Produkte und Strategien zur Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus im Internet gearbeitet werden.

Die entsprechenden Mittel für Zitis seien im beschlossenen Bundeshaushalt berücksichtigt. Aufgebaut werden soll das Zentrum de Maizière zufolge unmittelbar nach Verabschiedung des Haushaltes und etwa 400 Stellen umfassen. Anfang Juli waren die Pläne bereits bekanntgeworden.

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