Bitcoins auf Papier

Die ominöse Internetwährung Bitcoins erobert mehr und mehr auch die analoge Welt. Zum Beispiel mit einem Bitcoin-Automaten in Bern.

Will man sich in der analogen Welt Bitcoins (BTC) besorgen, muss man hinabsteigen – in den Berner Untergrund. Ins Billardcenter City an der Seilerstrasse, um genau zu sein. Der dunkle Kasten mit dem leuchtenden Bildschirm steht gleich beim Eingang neben einem Zigarettenautomaten.

Der Standort des ersten Bitcoin-Automaten der Stadt Bern passt gut zum Ruf dieser ominösen Internetwährung (siehe Kasten). Geld der Kriminellen wird sie geschimpft. Das hat seinen Grund. Als die digitalen Batzen erstmals auftauchten, das war 2009, wurden sie vor allem im Darknet – also im Internet hinter dem Internet – gebraucht. Unter anderem, um Illegales zu kaufen: Waffen, Drogen, Auftragsmörder, solche Sachen eben.

Heute ist das anders. Derzeit sind gegen 15 Millionen Bitcoins weltweit im Umlauf. Das entspricht etwa zehn Milliarden Schweizer Franken. Ein Bitcoin ist um die 700 Dollar wert. Mit Bitcoins kann man sich heute Essen kaufen, Kleider, Garten­zubehör, man kann sich Flüge buchen oder Hotelzimmer reservieren. In der Stadt Zug ist es möglich, Gebühren bis 200 Franken mit Bitcoins zu bezahlen. Die digitale Währung scheint in der analogen Welt angekommen zu sein. Da überrascht es nicht, dass es nun auch Bitcoin-Automaten gibt. Fünf sind es schweizweit. Und einer steht eben in Berns Untergrund.

Analoges in digitales Geld zu verwandeln ist erstaunlich simpel: 20er-Nötli in den Schlitz rein, auf dem Touchscreen ein paar Geschäftsbedingungen akzeptieren, und schon kommt im Gegenzug ein Papierstreifen aus dem Kasten. Einer mit vielen Zahlen drauf, mit Hinweisen auf Englisch und zwei QR-Codes. Gemäss dem Streifen haben diese 20 Schweizer Franken 0,03348566 BTC ergeben.

Aber was tun mit dem Zettel? Internetrecherchen zeigen: Mit dem Zettel an sich kann man nichts anfangen. Höchstens aufbewahren als eine Art Sparschwein (siehe Grafik). Will man die Coins ausgeben, braucht man ein Bit­coin-Konto. Einen digitalen Geldbeutel, genannt Wallet. Wie zum Teufel kommt man zu so einem Wallet?

Ein Anruf bei der Firma, die den Bitcoin-Automaten überhaupt erst in die Billardhalle installieren liess, liefert Antworten. Fabian Hediger ist Head of Trading bei der Bitcoin Suisse AG in Baar. Er sagt: «Ein Wallet lädt man am besten auf das Smartphone, via App-Store.» Gesagt, getan. Damit jetzt die 20 Franken vom Zettel endgültig in die digitale Welt überführt werden können, muss der private QR-Code mit der App gescannt werden. Gesagt, getan.

Prompt kommt die Meldung: Sie haben 0,033 Bitcoins erhalten. Und darunter steht: 19 Franken. Hö? Hediger: «Diese Bitcoin-Automaten müssen unterhalten werden.» 5 Prozent beträgt die Gebühr. Wucher? Hediger: «Wir sind noch am Anfang. Es wird immer güns­tiger.»

Und jetzt?Was kann man mit 0,033 Bitcoins anstellen? Die Möglichkeiten sind wie das Internet: endlos. Weltweit gibt es rund 100 000 Internethändler, die Bitcoins akzeptieren. In der Schweiz gibt es zwischen fünfzig und sechzig Geschäfte und in der Region Bern gerade mal zwei: Der Velokurier und ein Laden in der Stadt, der Greenville Gardening heisst und alles für das Gärtnern anbietet. Für den Schweizer Alltag sind Bitcoins aber nicht geschaffen worden. Das weiss auch Fabian Hediger: «Für lokale Einkäufe haben Bitcoins keine Vorteile, da können Sie gleich mit Schweizer Franken bezahlen.»

Bitcoins werden erst interessant, wenn es über die Landesgrenzen hinausgeht. Sie können nämlich blitzschnell, währungsgebührenfrei überallhin überwiesen werden. «In der Schweiz haben wir eine ausgezeichnete Infrastruktur», sagt Hediger. Hier machten Bitcoins wenig Sinn. Nur gibt es etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt, die Zugang zum Internet, aber zu keinem Banksystem haben. Deren Leben könnten Bitcoins verändern.

Was also tun mit den 0,03 BTC, in der Schweiz, in Bern? Das Dark­net ist eine Büchse der Pandora. Die will man nicht öffnen. Und sowieso: Sich Drogen per Post zustellen zu lassen, war schon immer eine blöde Idee. «Spenden Sie es», schlägt Hediger vor. Viele Hilfsorganisationen würden bereits Bitcoins akzeptieren. Gesagt. Getan. Die Organisation Kindertraum hat 20 Franken in Bitcoins erhalten, via einen QR-Code auf ihrer Website. Blitzschnell, still und heimlich. Ein gutes Gefühl.

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