Orderte Neumarkter zwei Päckchen Hasch im Dark-Net?

Jugendrichter setzt Verhandlung gegen jungen Mann aus — Zeuge nimmt Krümel im Handschuhfach auf seine Kappe

NEUMARKT – Mehr als zwei Päckchen, die in den Niederlanden aufgegeben worden waren, auf denen die Adresse des Angeklagten stand und die zusammen 22 Gramm Haschisch enthielten, hatte die Staatsanwaltschaft nicht in der Hand. Zu dünn für eine Verurteilung, weil die Bestellung sich in den Tiefen des „Darknet“ verbirgt.

Deshalb setzte Richter Danny Schaller die Verhandlung gegen einen jungen Mann vor dem Jugendgericht Neumarkt aus. Er erhofft sich von den Aussagen zweier Bekannter des Beschuldigten neue Erkenntnisse.

Der hüllte sich auf Anraten seines Verteidigers Thomas Lößel zu diesen Vorwürfen in Schweigen. In einem weiteren Anklagepunkt war er etwas gesprächiger. Aber nur um zu sagen: „Das gehörte nicht mir.“

Was ihm angeblich nicht gehörte, waren ein paar Krümel Tabak-Marihuana-Gemisch, die Nürnberger Polizisten bei der Durchsuchung im Handschuhfach des Autos fanden, in dem der Angeklagte neben dem Fahrer und einem weiteren Kumpel gesessen hatte.

Der Besitzer des Wagens, den die Polizei wegen Drogenauffälligkeiten mitgenommen hatte, hatte in seiner schriftlich fixierten Aussage behauptet, das der Angeklagte Besitzer der Tabakmischung gewesen sei. Vor Gericht revidierte er das. Die Krümel hätten ihm gehört. Das habe er auch einem der Polizisten gesagt, der aber nur erwiderte habe, er solle ihn nicht für blöd verkaufen.

Der Beamte trat als Zeuge auf und konnte sich an solch ein Gespräch nicht erinnern. Der „Entlastungszeuge“ wiederum wusste nicht zu erklären, warum er die Aussage bei der Polizei unterschrieben habe, wenn sie doch unrichtig gewesen sei. Das sei eine „Blitzreaktion“ gewesen, behauptete er.

Bestellung im „Darknet“

Richter Danny Schaller und Staatsanwältin Laura Heinz hatten ein großes Problem damit, dem Zeugen zu glauben. Zumal die beiden Burschen beteuerten, gute Freunde zu sein. Das gab jede Menge Raum für Spekulationen. Gravierender wären natürlich die zwei Mal gut elf Gramm Haschisch, für die im so genannten „Darknet“, dem „dunklen Bruder“ des Internets, bei bislang unbekannten Drogenhändlern in den Niederlanden Bestellungen abgegeben worden waren. Nur durch Zufall war die Polizei auf dieses Verteilernetz gestoßen, und die Staatsanwaltschaft Aachen hatte die beiden Päckchen sichergestellt.

Nicht nachweisbar war allerdings, dass der schweigsame Angeklagte die heiße Ware geordert hat. Richter Danny Schaller: „Es kann so gewesen sein, es kann einer unter seinem Namen getan haben, es kann jemand versucht haben, ihm so eins auszuwischen. Wir wissen es nicht.“ In drei Wochen, hofft der Richter, mehr Klarheit zu erlangen.

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