BOOM WEGEN DARKNET: Das Geschäft mit den Blüten blüht

Sie haben ihre falschen 50-Euro-Scheine an Kunden über Deutschlands Grenzen hinaus geliefert. Das Geschäft mit den Blüten läuft – trotz miserabler Qualität. Der Fall einer Fälscherwerkstatt zeigt: Der Verkauf übers Internet macht es Kriminellen einfach.

Bundesbank und Bundeskriminalamt registrieren einen deutlichen Anstieg beim Falschgeld. Laut BKA wurden in Deutschland im Jahr 2014 rund 60 800 Falschgeld-Delikte polizeilich registriert, knapp 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesbank wiederum zog im Jahr 2015 rund 95 500 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 4,4 Millionen Euro aus dem Verkehr, gut 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

„Der Anstieg der Falschgeldzahlen ist bedenklich, aber geeignete Maßnahmen sind bereits getroffen worden“, sagte im Januar Carl-Ludwig Thiele, im Vorstand der Bundesbank für Bargeld zuständig. Bei der neuen Banknotenserie sei der Fälschungsschutz verbessert.

HINTERGRUND: ZWEI JUNGE GELDFÄLSCHER VERHAFTET

GELDFÄLSCHER IN MÜNCHEN Blüten-Gang fliegt wegen falscher Mülltrennung auf

Die Blüten vertickten sie im darknet. Von dem Geld leisteten sich die Männer (21 und 23) einen Lamborghini.

Sehr gelb sehen diese falschen Fünfziger aus. Die Ränder sind schief geschnitten, teils ist sogar ein weißer Rand stehengeblieben. „Sie hätten sich wenigstens mehr Mühe geben können“, sagt der Leiter des Sachgebietes Falschgeld beim Bayerischen Landeskriminalamt, Helmut Schäfer, über die beiden jungen mutmaßlichen Fälscher aus dem Raum Landshut. Die Qualität der falschen 50-Euro-Noten sei „sehr schlecht“. Dennoch blühte kurzzeitig das Geschäft mit den Blüten – und, sagt Schäfer, die 21 und 23 Jahre alten Männern hätten „in Saus und Braus gelebt“.

Unter anderem mieteten sie für 500 Euro pro Tag einen Sportwagen, an den sie auch noch ein Schramme fuhren, die mit 10 000 Euro zu Buche schlug. Die beiden – bereits polizeilich bekannt – hätten mit der Fälscherei ihren Lebensunterhalt bestritten, sagte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Da sie gewerbsmäßig gefälscht hätten, drohen ihnen mindestens zwei Jahre Haft.

Bis in die Niederlande, Österreich und die Schweiz lieferten die jungen Männer das Falschgeld aus ihrer Garagenwerkstatt. Den Ermittlungen zufolge hatten sie erst im Dezember mit der Produktion begonnen. Am vergangenen Mittwoch klickten die Handschellen.

Szene boomt wegen dem Darknet

Experten zufolge trägt der Verbreitungsweg über das Internet zur Steigerung des Falschgeld-Geschäfts bei. Persönlicher Kontakt mit Anbietern ist nicht nötig. Die Falsifikate kommen per Post. Die Daten werden verschlüsselt über das sogenannte Darknet ausgetauscht, so dass die polizeilichen Ermittlungen wesentlich erschwert sind.

Auch die jungen Niederbayern wählten den Weg über das Darknet. Knapp zehn Euro zahlten Kunden für einen falschen Fünfziger. Obwohl erst seit einer Woche ermittelt werde, seien bereits 50 Adressaten gefunden worden, sagte Schäfer am Mittwoch. In der Garage fanden die Ermittler 200 Belege für Posteinlieferungen.

Wie viele Scheine aus Landhut im Umlauf sind, ist unklar. Zwischenhändler könnten durchaus ganze Bündel bestellt habe, vielleicht waren aber auch nur fünf Scheine in einer Sendung. Selbst dann hätten die beiden 1000 falsche Scheine verkauft, im Nennwert von 50 000 Euro.

Ihre Werkstatt war nach Angaben der Ermittler mit einfachen Mitteln ausgerüstet. Drei Tintenstrahldrucker, Klebestifte, Papier, Briefumschläge und Schneidebretter, wie sie in Büros benutzt werden. Zudem Chemikalien zur Behandlung des Papiers und 3000 Hologramme für 50-Euro-Noten.

In gelben Säcken – eigentlich für Plastikmüll gedacht – sammelten sie Schnittreste und ganze Seiten mit besonders missglückten Drucken. Die Fälscher machten sich nicht einmal die Mühe, das Papier zu schreddern. Sehr professionell wirkt das Vorgehen nicht.

Qualitativ hochwertige Fälschungen schwappten zuletzt vor allem aus Italien auf den Markt. Im großen Stil druckte die „Napoli-Gruppe“ im Raum Neapel Blüten im Offset-Druck. Deren Fälschungen machten laut BKA-Bilanz für 2014 etwa 70 bis 80 Prozent des gesamten Falschgeld-Aufkommens in Deutschland aus.

Zudem trugen laut BKA Hologramme aus China zur Steigerung der Falschgeld-Quote bei. Ob auch die beiden aus Landshut ihre Hologramme von dort bezogen, ist unklar.

Trotz der steigenden Falschgeld-Zahlen: Rein rechnerisch entfielen laut Bundesbank zwölf falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner. „Trotz des Anstiegs bleibt die Gefahr, in Deutschland mit Falschgeld in Berührung zu kommen, für den Bürger weiter äußerst gering“, sagt Bundesbank-Vorstand Thiele.

Wen es trifft, der hat allerdings Pech gehabt. Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz. Meist bleibt der Handel auf dem Schaden sitzen, wenn Verkäufer den Schwindel übersehen – und der Betrug beim Einzahlen des Geldes bei der Bank auffällt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

− 1 = 5